Die meisten kaufen Aktien ohne die Hilfe der Bank

Der Protokollzwang führt dazu, dass viele Institute die Beratung ganz einstellen.
  • Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse, die Symbole für den Aktienhandel. Foto: Marc Tirl/dpa
Die Deutschen sind zwar weiter kein Volk von Aktionären, aber wer Aktien besitzt, hat verstanden, dass das Investment breit gestreut werden sollte. 4,5 Mio. Deutsche besitzen direkt Aktien, im Schnitt von 13 Unternehmen. Das zeigt eine Analyse des Deutschen Aktieninstituts (DAI) und der Deutschen Post.

„Die Streuung der Aktienanlage hat sich extrem verbessert. Das ist ein gutes Zeichen“, sagt Franz-Josef Leven, stellvertretener Geschäftsführer des DAI. „Sie sollten bei ihren Investments weniger auf Rosinenpicken als auf eine breit gestreute Kapitalanlage setzen“, betont auch Professor Bernhard Pellens von der Ruhr-Universität Bochum. Nur 30 Prozent der Befragten fragen übrigens bei dem Thema Aktien einen Bankberater.

Gleichwohl gibt es in Deutschland weniger Menschen als in anderen Ländern, die auf Aktien vertrauen. Letztes Jahr besaßen rund 10,3 Mio. Deutsche (16 Prozent) über 14 Jahren Aktienfonds oder Aktien. 5,8 Mio. setzten auf Aktienfonds (plus 12,2 Prozent gegenüber 2017), und gut 4,5 Mio. besaßen direkt Aktien (minus 373 000). Zum Vergleich: In Großbritannien und den USA sind jeweils rund 25 Prozent, in Japan 28 und in den Niederlanden 30 Prozent der Einwohner Aktionäre.

Die Analyse beruht auf einer Befragung der gut 430 000 Privataktionäre der Deutschen Post. Allerdings hat sich die Zahl der Post-Aktionäre seit dem Börsengang im Jahr 2000 nach Angaben von Martin Ziegenbalg, dem Chef der Sparte für die Beziehung zu Investoren bei der Post, von damals 800 000 nahezu halbiert.

Trotzdem seien Kleinaktionäre heute eine ganz wichtige Aktionärsgruppe. „Privatanleger sind für die Post eine enorm wichtige, langfristig orientierte Investorengruppe.“

Nicht einmal ein Drittel der Aktienbesitzer fragt Bankberater, wenn es um den Kauf einer Aktie geht. Gegenüber 2008 ist das ein Rückgang um 40 Prozent.

Ein hauptsächlicher Grund dafür ist die deutlich strengere Regulierung, etwa die Protokollierung jedes Gesprächs, auch am Telefon. „Der Rechtsrahmen für die Beratung wird immer enger“, sagt Professor Bernhard Pellens von der Ruhr-Universität Bochum, einer der Verantwortlichen der Studie. Viele Banken und Sparkassen haben deshalb die Aktienberatung ganz eingestellt.

Noch keine Rolle spielen für Aktienbesitzer im Übrigen Nachhaltigkeitsthemen und Klimaschutz, sagt Pellens. Angesichts der Klimadebatte dürfte das aber wichtiger werden. Wenig Interesse haben Aktienbesitzer auch am Besuch der Hauptversammlungen. Rund die Hälfte bleibt dem Aktionärstreffen fern und stimmt auch nicht ab, etwa über einen Bevollmächtigten. Rolf Obertreis
© Südwest Presse 11.07.2019 07:45
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