Kein Glyphosat – Acker kostenlos

Umwelt Heubach erlässt Landwirten die Pacht, wenn sie das Unkrautvernichtungsmittel auf städtischen Äckern nicht verwenden. Was das für die Bauern bedeutet.
  • Karl und Felix Grötzinger sind Landwirte auf dem Erlenhof in Heubach-Buch. Glyphosat komme auf dem Hof selten zum Einsatz. Das letzte Mal sei das Pestizid vor fünf Jahren verwendet worden. Foto: maro

Heubach-Buch

Kein Glyphosateinsatz, keine Pacht. Das ist die Vereinbarung, die die Stadt Heubach mit den Landwirten getroffen hat. Doch was bedeutet das für die Bauern unterm Rosenstein? Die Reporterin dieser Zeitung sprach mit Karl und Felix Grötzinger, Landwirte vom Bucher Erlenhof.

Glyphosat wird auf die Blätter gesprüht und tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Herbizideinsatz überlebt, wie Felix Grötzinger sagt. Das Pestizid werde zur Unkrautvernichtung im Feld genutzt. „Auf einem Hektar werden etwa vier Liter Glyphosat versprüht.“ Aber: Der Einsatz des Herbizids ist umstritten. Das Totalherbizid Glyphosat ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wahrscheinlich krebserregend beim Menschen.

Im Grünland mache der Einsatz des Mittels wenig Sinn. „Bei uns wächst kein Qualitäts-, sondern Futtergetreide. Ein bisschen Unkraut macht da nichts aus“, sagt Felix Grötzinger. „Außerdem gibt’s andere Herbizide, die in einer Ackerkultur zur Unkrautbekämpfung angewendet werden.“ Und: Die Böden in Heubach seien vor allem schwer. Deswegen müssten die meisten Bauern pflügen. Dabei wird der Boden gewendet und Unkraut bekämpft. „Bei uns ist die Glyphosatnutzung also nicht so ein großes Thema“, sagt Landwirt Karl Grötzinger.

Für uns geht der Verbraucherschutz vor.

Karl Grötzinger
Landwirt

Die vergangenen fünf Jahre habe es bei Grötzingers keinen Einsatz des Pflanzenschutzmittels gegeben. Sinn mache das Spritzen von Glyphosat in nassen Jahren. „Wenn wir den Boden nicht bearbeiten können, weil es zu nass ist, bekämpft ein Einsatz die Unkräuter vor der Saat“, sagt Karl Grötzinger. Aber: „Für uns geht der Verbraucherschutz vor. Wenn wir das Mittel nicht verwenden sollen, machen wir es nicht.“

Doch die Landwirte wünschen sich eine klarere Regel zum Einsatz des Mittels. Österreich hat vor Kurzem das Pestizid Glyphosat komplett verboten. Unklar ist, ob das Verbot rechtlich haltbar ist. Die Grötzingers finden den Schritt Österreichs gut. „Auf das Verbot kann man sich als Landwirt einstellen“, sagt Felix Grötzinger, der eine extra Ausbildung für den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln abgeschlossen hat.

Hat Glyphosat Vorteile für die Landwirte? „Das Spritzen spart Zeit, Sprit und setzt weniger CO2 frei“, sagt Felix Grötzinger. Denn das zeitaufwendige Pflügen bewege den Boden. „Und jede Bodenbewegung setzt CO2 frei.“ Aber: Glyphosat nehme den Insekten die Nahrungsgrundlage. Wo das Mittel gespritzt wird, wächst nichts mehr, wie Felix Grötzinger sagt. Der Laie erkennt den Einsatz von Herbiziden übrigens daran, „dass die Grünstreifen am Feldrand gelb werden“, erklärt Karl Grötzinger.

© Schwäbische Post 16.07.2019 14:13
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Kommentare

manfred ruoff

sehr gut.hoffentlich folgen andere gemeinden.natürlich wäre ein eg weite lösung die beste.immerhin taucht das zeugs jetzt schon in kinderwindeln auf