Einmal um die gesamte Insel herum

Rundreise Auf Island geht es immer der Küste entlang. Im Innern des Landes herrschen Gletscher und Steine. Aber an der Küste beeindruckt es mit seinen Naturschönheiten.
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Island hat den Tourismus entdeckt. War eine Reise dorthin vor 20 Jahren nur etwas für Individualisten und Naturliebhaber, sind heute Menschen aus aller Welt zu Gast. Ins Bewusstsein der Welt kam Island durch seinen Vulkan Eyjafjallajökull, der mit seiner Aschewolke 2010 den europäischen Flugverkehr fast zum Erliegen brachte. Der Tourismus spült 40 Prozent der Exporterlöse in die isländischen Kassen. Dementsprechend ist man an den markanten Orten nicht mehr allein. Aber trotzdem begeistert die Vulkaninsel mit ihrer Einzigartigkeit.

Mit dem Flieger ist man von München aus in vier Stunden in Keflavik, dem internationalen Flughafen von Island. Nach einer Stunde mit dem Bus ist der Besucher dann im Herzen von Reykjavik, der Hauptstadt des Landes.

Landschaft bis zum Horizont

Am nächsten Morgen ist Abfahrt mit dem Bus auf den Ring der Naturschönheiten. Schnell ändert sich die Landschaft. Moosbewachsener Basalt bestimmt die Landschaft um die Fjorde. Ein erster Stopp ist in Borgarnes. Hier liegt im kleinen Park Skallagrimsgardur der Grabhügel von Skalla-Grimur, der dort mit seinem Pferd, den Waffen und Werkzeugen bestattet wurde. Wer jetzt schon Hunger verspürt geht in eines der zahlreichen Cafés oder Restaurants. Viele decken sich im hiesigen Landmarkt mit regionalen Produkten ein, bevor die Fahrt auf der Ringstraße 1 in die Hochebene weitergeht.

Es geht vorbei an erloschenen Vulkanen, heißen Quellen, deren geothermischen Energie genutzt wird. Die Landschaft ist in dunklen Basalt getaucht und die Straße führt durch die ausgespuckten Lavafelsen hindurch. So erreicht der Bus Akureyri. Die „Stadt mit Herz“ empfängt die anreisenden Fahrzeuge mit Herzchen als rote Ampel. Sehenswert ist die Kirche der Stadt und wer die Stufen hochsteigt hat eine großartige Aussicht über den Eyjafjördur-Gletscher.

Nicht ohne Moskito-Netz

Am nächsten Tag geht die Fahrt in das Myvatn-Gebiet. Am Myvatn-See kann der Besucher die Pseudo-Krater erwandern. Allerdings sind Moskito-Netze zu empfehlen, da die harmlosen Zuckmücken sich hier zu schwarzen Wolken zusammenfinden. Fast nebenan befindet sich das Lava-Labyrinth Dimmuborgir. Hier beginnt man zu verstehen, weshalb die Isländer sich von Trollen und Feen umgeben fühlen. Die bizarren Gesteinsformen erinnern an Schildkröten, Riesenzwerge und grässliche Fratzen. Zwischen den Steinen finden sich Höhlen und kleine Kammern, in denen die seltsamen Gestalten wohnen sollen. Weiter geht es zu den Schlammquellen bei Namaskard. So könnte man sich die Hölle vorstellen. Es stinkt, es blubbert und raucht überall. Dennoch ist ein Rundgang hier sehr empfehlenswert.

Zur Entspannung lädt dann die „Blaue Lagune des Nordens“ ein. Wie bei seiner großen Schwester bei Reykjavik ist das Wasser mit bis zu 41 Grad angenehm warm. Der Vorteil: Es ist nicht so überlaufen wie die „Blaue Lagune“ und nur wenige Touristen sind hier anzutreffen. Das Bad ist noch sehr natürlich gelassen, mit Steinen in der Mitte und am Boden, sodass der Besucher besser durchs Wasser schreitet statt zu schwimmen.

Nach diesem kleinen Intermezzo geht die Fahrt zum sagenumwobenen Godafoss. Hier soll der Sage nach der Gode Porgeir Porkelsson, nach Annahme des Christentums, alle heidnischen Götterdarstellungen ins Wasser geworfen haben. Das Rauschen des Wassers ist ohrenbetäubend, und der Anblick faszinierend.

Der darauffolgende Tag hat eine Menge Gegensätze in sich. Der Bus fährt über das wüstenähnliche Hochland zum Dettifoss. Dieser Wasserfall ist der mächtigste in Europa, knapp vor dem Rheinfall. Hier triften die Kontinentalplatten auseinander und reißen immer weiter das Gestein und somit auch den Wasserfall auf. Die Fahrt an diesem Tag geht durch das karge Hochland. Nur wenige Bauernhöfe und Hotels liegen versteckt in der Landschaft

Die schönste Tankstelle Islands

Vor allem japanische Brautpaare zieht es hier zum Hochzeitsfoto her.

Michael Scheidle Autor

Nach der Gischt des Dettifoss, in der man zu ertrinken droht, ist die Fahrt eher ein Verdursten. Doch Rettung ist in Sicht. Ein kleiner Hof hat sich mitten in dieser Einöde ein wunderbares Paradies geschaffen. In Modrudalur ist nicht nur die schönste Tankstelle der Insel zu sehen, auch das Café ist eine kleine Oase in dieser Gegend. Der Bau ist im historischen Stil gehalten und im Innern wunderbar mit Holz eingerichtet. Von Modrudalur aus starten ebenfalls die Hubschrauber-Rundflüge über das isländische Hochland.

Dann die Ankunft im 5 000-Einwohner-Städtchen Egilsstadir. Hier wurde mit der Aufforstung Islands begonnen. Deshalb hat in Egilsstadir auch das isländische Forstamt seinen Sitz. Im, an der Stadt gelegenen, Lagarfljöt soll ein Seeungeheuer in Form eines Wurmes hausen. Das Nessy von Island.

Der nächste Morgen bietet einen einzigartigen Blick auf den Lagarfljöt. Dann weiter nach Fáskrúsfjörur. Im 19. Jahrhundert kamen in der Wintersaison hierher französische Fischer. So wurde im Ort auch ein Krankenhaus für diese eröffnet. Noch heute zeugen die zweisprachigen Straßenschilder von dieser Zeit der Verbundenheit. In Stövarfjörur gibt es die weltberühmte Steinesammlung von Petra Sveinsdóttir zu bewundern. Sie wanderte durch die ehemalige Gletscherlandschaft und brachte allerlei interessante Kristalle und farbige Steine mit. In Djúpivogur kann man die „Eggin í Gleivík“ bewundern. 34 übergroße Eier aus verschiedenen Gesteinen wurden vom Künstler Sigurur Gumundsson auf Betonfundamente installiert. Die Eier sollen an die verschiedenen Vögel erinnern, die in dieser Gegend brüten.

Durch Eisberge schippern

Der fünfte Tag unserer Tour beschert uns ein seltenes Abenteuer. Eine Bootsfahrt zwischen Eisbergen steht auf dem Programm. Auf dem Jökulsárlón treiben die abgebrochenen Stücke des Gletschers Breiamerkurjökull. Bis zu 15 Meter hoch können die Eisgiganten werden. Doch macht auch hier die Klimaerwärmung nicht Halt. Beim letzten Besuch vor 20 Jahren war der See nur halb so groß und mit dreimal so vielen Eisbergen bestückt. Unser Besuch fand in der heißesten Zeit statt, seit es Wetteraufzeichnungen auf Island gibt. Am Ausgang des Sees ins Meer tummeln sich gerne auf einer Landzunge die Robben und bieten ein tierisches Fotovergnügen.

Eine gewisse Wucht zeigt der Strand Reynisfjara. Berühmt für seine Basaltsäulen, an und auf denen sich die internationalen Touristen gerne ablichten lassen. Vor allem japanische Brautpaare zieht es hier zum Hochzeitsfoto her. Berüchtigt ist der Kiesstrand auch für seine Wellen. Diese werden vor dem Auftreffen am Strand durch unterirdische Klippen noch einmal verstärkt. Also Vorsicht! Immer ein Auge auf das Wasser haben.

Gischt wie ein Nieselregen

Der letzte Tag der Tour ist nass. Nicht, dass es regnete, sondern die vielen Wasserfälle die monumental in die Tiefe stürzen. Der Skogafoss fällt 60 Meter herab. Seine Gischt ist wie ein Nieselregen in Deutschland. Hinter den Wasserschleier des Sefalandsfoss kann man auch wandern. Jedoch ist hier eine große Trittsicherheit und gutes Schuhwerk erforderlich. Immer mehr, vor allem japanische, Touristen versuchen sich auch mit Rollatoren, scheitern aber meist kläglich. Der Gullfoss ist ein atemraubendes Schauspiel. Er stürzt in zwei Kaskaden in seinen Canyon hinab.

Dann der Höhepunkt für viele Island-Touristen. Der Geysir. Der große Geysir ist bereits vor Jahren erloschen. Aber der Nachbar Strokkur tuts auch. Alle sieben Minuten jagt er eine 25 Meter hohe Fontäne heraus. Diese wird mit lautem Johlen von den amerikanischen Besuchern begleitet.

Genau am Nationalfeiertag, dem 17. Juni, ist ein Besuch in Thingvellir lohnend. Der isländische Präsident ist in seinem Sommersitz und mit viel Glück kann man ihn auch treffen. Doch auch das Tal an sich ist einen Besuch wert. Spannende Felsen, augenschmeichelnde Wiesen. Hier wurde im Mittelalter die erste Demokratie weltweit ausgerufen, Gerichtsurteile gesprochen und neue Gesetze verabschiedet. Diese Route des „Golden Circle“ ist leider in der Zwischenzeit sehr überlaufen. Viele Kreuzfahrtschiffe legen in Reykjavik an und bringen die Gäste an einem Tag zu diesen Highlights. Am Ende geht es zurück in die Hauptstadt. Diese ist in Feierlaune an diesem höchsten staatlichen Feiertag. Überall auf den Wiesen sind die Einheimischen beim Picknick, Bands spielen und alle sind bester Laune. Ein gelungener Abschluss, denn am nächsten Tag geht es zurück nach Hause.

© Schwäbische Post 26.07.2019 15:47
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