Dank Magen-OP 75 Kilo runter

Übergewicht Wie eine 33-jährige junge Frau verzweifelt mit ihrem krankhaften Übergewicht gekämpft hat. Und wie ihr im Ostalbklinikum geholfen werden konnte.
  • Noch heute, eineinhalb Jahre nach ihrer Magenverkleinerung, kommt Adipositas-Patientin Marion Kapfer regelmäßig zur Kontrolle ins Ostalbklinikum zu Dr. Laurentiu Grecu (l.). Rechts Chefarzt Prof. Dr. Marco Siech. Foto: hag

Aalen

Zuerst runter mit den Kilos, dann schnell wieder alles anfuttern. Marion Kapfer hat lange mit diesem Phänomen gekämpft, das oft als „Jo-Jo-Effekt“ bezeichnet wird. Die heute 33-Jährige ist Adipositas-Patientin, leidet unter krankhaftem Übergewicht. 189 Kilogramm schleppte die 1,69 Meter große Frau noch vor eineinhalb Jahren auf die Waage. „Ihr Body-Mass-Index lag bei über 66. Bereits ab einem BMI von 40 spricht man von krankhaftem Übergewicht“, weiß Dr. Laurentiu Grecu, Facharzt in der Chirurgischen Klinik I des Ostalb-Klinikums.

EineMagen-OP dort half Marion Kapfer, aus dieser Herz und Kreislauf schädigenden Achterbahnfahrt auszusteigen, rettete ihr sozusagen das Leben. Seit Februar 2018 lebt die junge Frau mit einem Schlauchmagen. Heißt: Nicht mehr als 100 Milliliter – also etwa die Größe eines Schaumkusses – passen jetzt dort hinein, wo früher noch ein Nahrungsvolumen von bis zu zwei Litern verdaut werden konnte. Das Ergebnis lässt sich sehen: Inzwischen ist Marion Kapfer um 75 Kilo leichter, ihre Konfektionsgröße ist von 66 (das sind vier bis fünf XL) auf 52 „geschmolzen“.

Marion Kapfer ist damit eine von etwa 40 Patientinnen und Patienten, die derzeit jährlich im Ostalbklinikum wegen krankhaften Übergewichts operiert werden. „In den vergangenen Jahren haben wir am Ostalbklinikum eine Adipositas-Zentrumsstruktur aufgebaut“, erläutert Prof. Dr. Marco Siech, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Visceral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie. Das Netz ist weitgefächert, mit im Boot sind der koordinierende Hausarzt, Ernährungsberatung, Selbsthilfegruppe, Diabetologie und Psychosomatik.

Bereits ab einem BMI von 40 spricht man von einem extrem krankhaften Übergewicht.

Prof. Dr. Marco Siech
Chefarzt

Doch auch das gehört zur Wahrheit: Obwohl zwischenzeitlich jeder vierte Erwachsene in Deutschland stark oder sogar krankhaft übergewichtig ist und die Zahl der Betroffenen weiter steigen wird, sind die meisten Krankenkassen noch sehr verhalten, wenn es darum geht, bei adipösen Patienten die OP-Kosten für eine Magenverkleinerung zu übernehmen. „Erst in den vergangenen zwei Jahren zeichnet sich eine positive Entwicklung ab“, sagt Marco Siech. Inzwischen kooperiere das Adipositas-Zentrum mit zwei Krankenkassen – der AOK und der Barmer – die unter bestimmten Voraussetzungen die Operationskosten übernehmen. Der wichtigste Aspekt: „Bevor eine Operation in Betracht gezogen wird, müssen die Patienten alle konservativen Maßnahmen zur Gewichtsreduzierung ausgeschöpft haben“, sagt Siech.

So wie bei Marion Kapfer. In vielen Monaten vor der OP hat sie ein strategisches Sport- und Bewegungsprogramm mit eisernem Willen durchgezogen. Hat ihre Mahlzeiten diszipliniert nach dem Plan der Ernährungsberaterin eingenommen. Hatte 23 Kilo abgenommen, bis sie durch einen Bandscheibenvorfall aus dem Rennen kam. Durch Bewegungsmangel und aus Enttäuschung darüber, dass keinem ihre Gewichtsabnahme aufgefallen war, waren die Kilos rasch wieder angefuttert.

Heute, eineinhalb Jahre nach der Magenverkleinerung, wiegt Marion 114 Kilo und ist stolz auf ihren BMI von 40,1. Ihr persönliches Ziel ist der „Uhu“: unter 100 Kilogramm zu kommen. „Die Operation“, sagt sie, „ist ein toller Krückstock, der einem bei der Gewichtsabnahme hilft. Aber man muss danach weiter an sich arbeiten.“

Ab wann es krankhafte Fettleibigkeit ist

Adipositas wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schon seit dem Jahr 2000 als chronische Krankheit angesehen. Grad I der krankhaften Fettleibigkeit beginnt ab einem BMI von 30. Ein BMI-Wert ab 40 gilt als extreme Adipositas, Grad III.

Übergewichtig sind mehr als die Hälfte aller Erwachsenen in Deutschland. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Adipositas und ihre Vorstufe, das Übergewicht, zählen Mediziner zu den wichtigen Ursachen bedeutsamer Folgeerkrankungen, wie etwa Bluthochdruck, koronare Herzerkrankung und Diabetes II.

Der BMI (Body-Mass-Index) berechnet sich aus dem Körpergewicht, geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern.

Rechenbeispiel: Sie sind 1,75 Meter groß und wiegen 70 Kilogramm. 1,75 Meter mal 1,75 Meter = 3,06. 70 Kilo geteilt durch 3,06 = 22,8. Dieser Wert ist der BMI. Herzlichen Glückwunsch zum Normalgewicht!

© Schwäbische Post 02.08.2019 16:50
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