Langenburg Turm überragt Jagsttal

Skeptiker sind überwältigt

Hoch über dem Tal der Jagst zieht nicht nur das Langenburger Schloss die Blicke auf sich, sondern auch der Turm eines ungewöhnlichen Hotels.
  • Seit 2013 ist der Turm samt Sauna und Bar das Wahrzeichen des Mawell Resorts. Foto: Mawell Resort
  • SWP GRAFIK KARTE: WWW.STEPMAP.DE, KARTENMATERIAL: OSM
Die einen erinnerte das Bauwerk an einen Wachturm an der Berliner Mauer, für die anderen ist es ein architektonisches Glanzstück: der 27 Meter hohe Turm, der dem Wellness-Hotel Mawell in Langenburg (Kreis Schwäbisch Hall) als Wahrzeichen dient.

Hoch über dem Jagsttal, einer der reizvollsten Ecken, die Wanderer und Radfahrer in der ganzen Region finden können, überragt der Turm seit 2013 das Schloss des Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg – und die alte Residenzstadt, die dazu gehört, sowieso. Es gibt Skeptiker, die ihre Meinung über den Turm in dem Moment geändert haben, in dem sie zum ersten Mal auf der Aussichtsplattform standen – so überwältigend ist der Ausblick auf 450 Metern Höhe.

Ganz oben auf dem Turm befindet sich eine Sauna, eine von fünf Saunen, die das Mawell Resort seinen Gästen bietet. Wer sich hier bei 75 Grad aufgeheizt hat, findet gleich nebenan einen Pool, in dem er sich unter freiem Himmel abkühlen kann.

Ein Stockwerk tiefer ist eine Bar eingerichtet, das Reich von Hop Sing, wie der Barkeeper genannt wird. Er mixt die Cocktails, bei denen die Gäste den Sonnenuntergang über dem Jagsttal und dem Schloss beobachten. Dieses Erlebnis gibt es nicht nur für die Hotelgäste, denn die Turmbar ist am Abend für jedermann geöffnet.

Der Name „Mawell“ steht für „Maier Wellness“und weist auf den 60-jährigen Wolfgang Maier hin, den Chef des Hotels. Maier ist einer der erfolgreichsten Unternehmer in der Region – auch wenn er seinen Beruf mitunter mit „staatlich geprüfter Landwirt“ angibt. Tatsächlich ist Maier ganz in der Nähe auf dem Bauernhof seiner Eltern aufgewachsen. Bei seinem Vater ist er in die Lehre gegangen, dann jedoch wechselte er als Montageleiter in die Bauwirtschaft. Mit einer Baufirma, spezialisiert auf landwirtschaftliche Fertigbauten, machte sich Maier 1997 selbstständig.

Die Idee, ein Hotel zu bauen, hatte Maier bei einem Urlaub in einem Wellness-Hotel in Südtirol. „So ein Hotel gehört nach Hohenlohe“, dachte er damals. In dieser Auffassung wurde er bestärkt durch die Begegnung mit einem älteren Ehepaar aus Süddeutschland, das ihm traurig erzählte, es sei zum letzten Mal beim Wellness-Urlaub, weil ihm die Anfahrt zu beschwerlich geworden sei.

Maier erkannte an dieser Stelle eine Marktlücke, die er in seinem Heimatort schließen wollte. „In einem Umkreis von 100 Kilometern um Langenburg liegen Stuttgart, Heilbronn, Würzburg, Nürnberg und Ulm. Das ist eine Entfernung, über die sich ältere Paare von ihrem Schwiegersohn fahren lassen können“, sagt Maier.

Das Ergebnis dieser Überlegungen ist ein ausgedehnter Hotel-Komplex, in den Maier bis heute 30 Millionen Euro investiert hat. In 76 Zimmern und Suiten stehen 238 Betten zur Verfügung. 150 Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl der Gäste. Mit 38 000 Übernachtungen erzielte das Mawell 2018 eine Auslastung von rund 80 Prozent, im ersten Halbjahr 2019 waren es bereits 22 000 Übernachtungen, was eine Auslastung von 84 Prozent bedeutete.

Im Durchschnitt halten sich die Gäste knapp zwei Tage im Mawell auf. Sie gehen nicht nur in die Sauna, sondern sie schwimmen auch, lassen sich massieren, joggen auf dem Dach oder lassen sich Gesicht und Nägel verschönern – dies alles auf einer 5500 Quadratmeter großen Wellness-Landschaft.

Obwohl Maiers Gäste während ihres Aufenthalts kaum das Hotel verlassen, geht vom Mawell ein positiver Effekt auf den Tourismus in ganz Langenburg aus. Zum einen sorgt das Hotel für bundesweite Aufmerksamkeit. Zum anderen gibt es im Mawell auch Tagesgäste, die gerne die Gastronomie in der Stadt nutzen. Und dann hat Bürgermeister Wolfgang Class beobachtet, dass manche Besucher des Mawell in der Stadt übernachten und tagsüber die Wellness-Angebote des Mawell nutzen. „Da kann man wohl ein bisschen Geld sparen“, sagt Class.

Wolfgang Maier ist mit seinen Ideen für das Mawell noch nicht am Ende angekommen. Nachdem er eine neue Empfangs- und Veranstaltungshalle gebaut hat, in der 28 Baumstämme aufragen, verfolgt er seit einiger Zeit eine neue Idee: Eine 270 Meter lange Waldschwimmrinne soll es seinen Gästen ermöglichen, zwischen den Wipfeln der Bäume über dem Jagsttal zu schwimmen. Eine solche Anlage wäre deutschlandweit, vielleicht sogar, einmalig.
© Südwest Presse 13.08.2019 07:45
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