Kaum jemand will reich sein

Die tatsächliche finanzielle Lage und die Selbsteinschätzung der Menschen in Deutschland liegen weit auseinander. Das zeigt eine Studie des IW.
  • Der Inhaber dieser Geldbörse könnte wohlhabend sein. Dazu befragt, zählen sich die wenigsten zu dieser Bevölkerungsgruppe. Foto: Monika Skolimowska/dpa
  • Foto: SWP Grafik, Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft
Wer gehört zur Oberschicht? Ein Single mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 3440 EUR zählt in Deutschland bereits zu den einkommensstärksten 10 Prozent der Gesellschaft, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Ein Paarhaushalt ohne Kinder liegt wegen der Einspareffekte bei einem monatlichen gemeinsamen Netto von rund 5160 EUR im oberen Einkommensbereich.

Wenn es um die subjektive Einordnung geht, sortieren sich die meisten Menschen demnach in die Mittelschicht oder obere Mittelschicht ein. Nur wenige zählen sich früheren Umfragen zufolge selbst zur sozialen Oberschicht. Praktisch niemand fühle sich den einkommensreichsten 20 Prozent der Gesellschaft zugehörig.

Die IW-Experten werteten für ihre Analyse Daten aus den Haushaltsbefragungen des sozio-ökonomischen Panels für das Jahr 2016 aus. Im Fokus steht das so genannte bedarfsgewichtete mittlere Einkommen: Dabei wird unter anderem berücksichtigt, dass größere Haushalte zwar einen höheren Bedarf an Wohnraum oder Lebensmitteln haben, in anderen Bereichen etwa bei gemeinsamen Versicherungen aber geringere Pro-Kopf-Kosten anfallen. Zudem wird berücksichtigt, dass jüngere Kinder einen geringeren Bedarf haben als Erwachsene. In der Gruppe der Alleinerziehenden zählt man mit einem mittleren Einkommen von 1309 EUR zum einkommensärmsten Viertel der Bevölkerung.

Uni-Abschluss zahlt sich aus

Im Jahr 2016 lag das bedarfsgewichtete mittlere Nettoeinkommen in Deutschland bei monatlich 1869 EUR – eine Hälfte der Bevölkerung hatte netto mehr Geld zur Verfügung, die andere Hälfte weniger.

Ein Hochschulabschluss bietet hohe Chancen, die oberen Einkommensbereiche zu erreichen. Umgekehrt ist es bei Menschen ohne Bildungs- und Berufsabschluss. Auch diese liegen bei der Selbsteinschätzung aber oft daneben. Auch wenn Menschen ohne Abschluss in ihrer Vergleichsgruppe eine mittlere Einkommensposition einnehmen, sortieren sie sich selbst nur knapp oberhalb des ärmsten Viertels der Bevölkerung ein.

Möchten sich Akademiker mit der Einkommenssituation anderer Akademiker vergleichen, müssen sie als Alleinlebende ein Einkommen von 2541 EUR zur Verfügung haben, damit sie genau in der Mitte der Gruppe der Hochschulabsolventen landen. In der Gesamtbevölkerung lagen 2016 beinahe drei Viertel der Bundesbürger unterhalb dieses Einkommens.

Unterschiede zeigen sich auch zwischen Stadt und Land. Das mittlere Einkommen in städtischen Regionen liegt 116 EUR oberhalb jenes in ländlichen Räumen. Allerdings werden dabei noch keine regionalen Preisunterschiede berücksichtigt. Das gilt auch für den Ost-West-Vergleich. Während Menschen mit einem Einkommen über 2839 EUR in Ostdeutschland zu den obersten 10 Prozent gehören, liegt man in Westdeutschland damit nur unter den obersten 20 Prozent.

Auch Eigentum macht sich bemerkbar. Während das mittlere Einkommen der Mieter bei 1493 EUR liegt, beträgt dieses bei Eigentümern 2252 EUR. Wer in selbstgenutztem Eigentum lebt, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, sich im oberen Einkommensbereich einzusortieren. afp
© Südwest Presse 13.08.2019 07:45
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