Leserbeiträge

"Was das Tempolimit auf der neuen B 29 die Autofahrer kostet" und "Jetzt ist der Lärmschutz dran" ( P-GT vom 24. August 2019, S. 26 und S. 9 )

Sehr geehrte Herren Dambacher und Wagner,
ich bin mal so unhöflich und sage offen, dass derjenige, der nicht sicher schnell fahren kann, bitte, bitte langsam fahren möge, denn wenn er dann mal schnell fährt und in seiner Unsicherheit einen Unfall verursacht, das dann zur Begründung für eine ‚Geschwindigkeitsbeschränkung zur Sicherheit‘ seitens der Verwaltung für alle zu allen Zeiten dient. Doch wenn sich jemand bei einer höheren Geschwindigkeit unsicher fühlt, ist das kein Argument, dass nicht ein Anderer diese oder eine höhere Geschwindigkeit ‚StVO-konform‘ gefühlt und tatsächlich sicher fahren kann.
Über den ‚Zeitverlust‘ von etwa 30 Sekunden brauchen wir nicht zu diskutieren, denn das ist wahrlich kein Argument, weder dafür noch dagegen. Es gab auch schon Unfälle auf der neuen Ortsumfahrung, es gab aber keinen, der ursächlich auf eine Geschwindigkeit größer als 120 km/h zurückzuführen wäre, insofern ändert die Streckenbeschränkung nichts.
An den Enden der Ausbaustrecke ist jeweils ein Geschwindigkeitstrichter eingerichtet, dazu gibt es aus meiner Sicht zwei Punkte.
Zum einen ist eine Streckenbeschränkung auf 120 km/h keine Gewähr dafür, dass nicht jemand doch noch verbotenerweise im Geschwindigkeitstrichter überholt wird, dann vielleicht nicht mit ‚180 km/h‘ ( was ich für eine maßlos übertriebene Angabe halte ), sondern mit 140 km/h, weil irgendein Idiot noch ein oder zwei Plätze ‚gut machen‘ will.
Zum anderen ist auf einer normalen Landstraße Tempo 100 erlaubt, im Übergang sind 80 angeordnet – und was ist nach dem Übergang bis zur nächsten Beschränkung vor der jeweiligen Ampelkreuzung, was gilt da, die 80 aus dem Übergang oder die 100 für eine normale Landstraße?
Aber Beschränkung hin, Beschränkung her ( ‚pacta servanda sunt‘ ), welche Argumente haben eigentlich die Befürworter von ‚120‘ dafür, dass sie allen das schneller fahren verbieten wollen, wenn sie – nach eigener Aussage - auch ohne Beschränkung nicht schneller gefahren sind oder wären? Braucht man Verbote, nur um das zu tun, was man angeblich ohnehin sowieso getan hätte? Oder wird man womöglich ohne Geschwindigkeitsbeschränkung gezwungen, schneller zu fahren? Dieser Hilfeschrei nach staatlicher Reglementierung zur Erzeugung einer Pseudosicherheit ist mir zutiefst unverständlich, denn gleich bei welcher Geschwindigkeit ein Unfall geschieht, ist doch der Fahrer immer verantwortlich für sein Tun, daran ändert ein Blechschild nichts.

Und was das Lärmargument angeht, ein paar Pfosten sind billig und schnell in den Boden gerammt, ein paar Schilder für die Anordnung der Geschwindigkeitsbeschränkung sind billig und schnell montiert, aber ‚Lärmschutzmaßnahmen‘ sind richtig teuer, dauern lange in der Planung und lange in der Umsetzung. Man soll auch nicht glauben, dass der gemessene ( nicht der gefühlte ) Lärm bei einer Beschränkung auf 120 deutlich weniger wird.

Mir ist ein Fall aus Hessen bekannt, wo man auf Klagen der Bewohner eines zu einer Kraftfahrstraße mit getrennten Fahrbahnen ungünstig gelegenen Ortes testweise 120 für Pkw und 60 für Lkw angeordnet und gleichzeitig dazu Lärmmessungen durchgeführt hat. Die 120 für Pkw waren nur zur ‚Sicherheit‘, um die Differenzgeschwindigkeit zu den Lkw nicht zu groß werden zu lassen. Offensichtlich waren die Lkw der größere Lärmerzeuger, man hat dann festgestellt, dass die bei Anordnung von 60 km/h für Lkw die Durchschnittsgeschwindigkeit der Lkw von ( vorher ) 86 km/h auf ( nachher ) 81 km/h reduziert wurde, das muss man sich mal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Und dann kam heraus, dass bei berechneten ( gemessene gab es ja nicht, siehe ‚Durchschnittsgeschwindigkeit‘ ) Lärmwerten für eine Lkw-Geschwindigkeit von 60 km/h der Grenzwert noch nicht überschritten worden wäre. Dann wurden dort alle Schilder ab- und keine Lärmschutzmaßnahme aufgebaut – zu teuer und vor allem nicht durch eine Verordnung zwingend vorgeschrieben.

© In my humble opinion 24.08.2019 23:48
1326 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.