Lesermeinung

Zum Thema Erwin-Rommel-Straße:

Aus unserer heutigen politischen Komfortzone heraus lässt sich sicher leicht über die Menschen richten, die in dieser Zeit gelebt und sich mit dem Regime „arrangieren“ mussten. Ich will es mal so veranschaulichen: Mein Papa vollendet bei noch recht guter Gesundheit wir im kommenden Februar sein 86. Lebensjahr. Er ist also Jahrgang 1934, wurde also ein Jahr nach der „Machtergreifung“ geboren und war bei Kriegsende elf Jahre alt. Er musste zur HJ, ob er wollte oder nicht.

Erwin Rommel war Berufssoldat und – wie auch die heutigen Soldaten der BRD – durch einen Eid gebunden. Auch wenn der heutige Eid auf die Verfassung und nicht auf eine Person abgelegt wird. Dieser Mann hatte den Mut – trotz der unausweichlichen Konsequenzen, deren er sich hundertprozentig sicher war – einzusehen, dass er diesem verbrecherischen System nicht länger dienen konnte.

Er wurde von genau demselben Regime getötet wie Georg Elser oder die Geschwister Scholl. Noch perfider: Er wurde gezwungen, es selbst zu tun.

Dafür verdient er den Respekt, dass die Erwin-Rommel-Straße auch weiterhin so heißen wird.

Und wir als Bürger haben es verdient, ein vollständiges Bild der Menschen zu bewahren, die Widerstand – in welcher Form auch immer – geleistet haben.

Auch wir heute sind nicht ohne Fehler! Man beachte nur ein atuelles Top-Thema in SWR3 „steigende Aggression in der Gesellschaft“. Womit wir wieder beim Thema wären und nur hoffen können, dass sich Geschichte nicht wiederholen wird.

Ansätze gibt es leider bereits (Trump, und steigender Rechtsextremismus überall auf der Welt). Übrigens: Wenn Verwaltung und Rat der Ansicht sind, Manfred Rommel um seiner Verdienste willen ehren zu wollen und deshalb eine Straße in Aalen (Stadtoval?) nach ihm zu benennen: warum nicht.

© Schwäbische Post 12.09.2019 15:46
808 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben

Kommentare

Frieder Kohler

"sich mit dem Regime „arrangieren“ musste" : Ist das ein vollständiges Bild des Menschen Rommel? Georg Elser oder die Geschwister Scholl in die Nähe von Hitlers Lieblingsgeneral zu bringen ist hanebüchen (unglaublich. aber Ihre Wahrheit).

derleguan

Sie machen aus einem Naziverbrecher einen Widerstandskämpfer, das ist naiv oder/und leistet rechtem Gedankengut Vorschub. Zu ihrer Entschuldigung vermute ich bei ihnen lediglich ersteres.

Aus unserer heutigen Komforzone heraus, weiß man einiges und sieht die Dinge anders als damals: Erwin Rommel war nicht lediglich ein Berufssoldat, sondern laut Wikipedia Generalfeldmarschall und Militärstratege. Niemand stolperte damals einfach so in diese Position. Da war eine riesige Portion Ehrgeiz und Anpassungsfähigkeit an das Regime die Voraussetzung. Er war einmal als "Wüstenfuchs" Hitlers Liebling und der aller Nazis.

Würden wir jedem, der am Kriegsende von der einen oder anderen Macht "gezwungen" wurde Selbstmord zu begehen, dann hätten wir von der Heinrich Himmler Straße bis zum Adolf Hitler Platz alles was die Nazigrößen so aufzubieten hatten - also unter gar keinen Umständen eine Straße nach Erwin Rommel bennen.