Für jede Kondition ein optimal geeigneter Weg

Katalonien Als Teil des Fernradwegs Eurovelo 8 schlägt der grenzüberschreitende Rundkurs Pirinexus einen weiten Bogen durch Katalonien. Dabei kommt auch die Kultur nicht zu kurz. Am Ziel lockt das weite Meer.
  • Foto: Ulrike Wiebrecht

Mehr Understatement geht wirklich nicht: ein paar Kisten mit Apfelsinen, daneben Dosen mit Tomatenmark, Waschmittel und Toilettenpapier, im Nebenraum eine kleine Bar. So muss man sich den Supermarkt von Capmany vorstellen.

Der kleine Laden scheint mehr Dorfkneipe als Verkaufsstelle zu sein. Und wirkt genauso verschnarcht wie die umliegenden Gassen mit ihren archaischen Torbögen. Erst auf den zweiten Blick sieht man, was da noch so im Regal steht. Die Leute im Dorf lassen sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn hier ein paar Radfahrer vorbeikommen.

Denn Capmany ist eine der vielen Stationen auf dem Pirinexus, jenem Fernradweg, der einen 350 Kilometer langen Bogen durch Katalonien schlägt und dabei durch Gegenden führt, in die sich nur selten Touristen verirren. Ausgangspunkt des Rundkurses sind die französischen Pyrenäen. Von dort führt die Strecke nach Spanien in das ländlich geprägte Hinterland der Costa Brava, weiter an die Küste und von dort wieder zurück in die Pyrenäen.

Europäischer Fern-Radweg

Der Pirinexus ist Teil des Eurovelo 8, des europäischen Fernradwegs, der von der Europäischen Union mitfinanziert wird und das ganze Mittelmeer säumt. „Theoretisch kann man von Athen bis Marokko radeln“, sagt Mireia Salvadò, die mit ihrem Fahrradverleih auch geführte Touren organisiert. „In der Praxis ist der Eurovelo 8 aber noch sehr lückenhaft.“ Am weitesten gediehen – neben Teilstücken in Venetien und Slowenien – ist der grenzüberschreitende Pirinexus.

Er ist gut ausgeschildert und so konzipiert, dass er mit einer normalen Kondition zu bewältigen ist. „Wenn ich will, kann ich natürlich jeden Tag 100 Kilometer mit 1500 Höhenmetern machen“, räumt Mireia ein, „aber man kann es auch gemütlicher angehen lassen.“ Indem man beispielsweise durch die flache Weinregion im Hinterland der Costa Brava radelt. Vorbei an Bauernhäusern, romanischen Kirchlein und Ortschaften wie Capmany. Bei all den verlockenden Köstlichkeiten, die in den Bars der kleinen Ortschaften lauern, muss man sich schon zurückhalten, wenn man danach noch die rund 40 Kilometer entfernte Küste erreichen will.

Und dann kommt endlich das Meer: Würzig duftende Pinien rahmen die zauberhaften kleine Buchten von Empúries ein, eine schöner als die andere. Danach geht es direkt ins Mittelalter. Bellcaire, Gualta, Fontclara – der Weg passiert lauter Dörfer, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Die Platja del Castell, ein kilometerlanger Streifen aus feinem goldgelben Sand, umsäumt von bizarrem Felsgestein, entschädigt schließlich für die Strapazen. Er gehört zweifellos zu den schönsten Stränden an dieser wilden Küste. Ulrike Wiebrecht

© Schwäbische Post 13.09.2019 15:00
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