Böbinger sehen keine Alternative zum Tunnel

22 000 Fahrzeuge passieren täglich die Bundesstraße 29, die Böbingen in zwei Teile zerschneidet. Zur Präsentation der Ausbauvarianten durch das Regierungspräsidium am 17. September hofft man in der Gemeinde auf ein geschlossenes Auftreten der Bürgerschaft.
  • Für sie gibt es keinen Kompromiss zum B-29-Tunnel für Böbingen (v.li.): Otto Betz, Manfred Gold und Bürgermeister Jürgen Stempfle. Foto: jan

Böbingen (Rems). Am 17. September um 18.30 Uhr wird das Regierungspräsidium in der Römerhalle in Böbingen vier Varianten zum Ausbau der Bundesstraße 29 in Böbingen vorstellen. Darunter auch Baudirektor Jürgen Holzwarth, Leiter des Referats. Im Anschluss an diese öffentliche Vorstellung der Vorplanung einschließlich der Empfehlung für eine Variante wird der sogenannte „Bürgerdialog“ gestartet.

Bereits im Vorfeld hat sich in Böbingen gezeigt, dass ein Tunnel klar favorisiert wird. Ein klares Nein kommt so für eine Brückenlösung mit einer Hochbrücke mit etwa 300 Metern Länge, eine bestandsnahe Lösung (mit Trog in der Straße „An der Rems“) und mit einer Dammlösung (ohne Trog in der Straße „An der Rems“). Also für alle oberirdischen Lösungen. Am 18. März 2019 hat sich das „Aktionsbündnis Böbinger Tunnel“ gegründet. Klare Ziele sind von diesem formuliert: Die Verwirklichung einer unterirdischen Trassenvariante in Böbingen. Zudem die Mobilisierung der Bevölkerung und die Sensibilisierung beziehungsweise Fokussierung der politischen Akteure und die Organisation von bürgerlichen Aktionen.

Das Bündnis wird von einem Sprecher-Gremium vertreten: Manfred Gold, Dr. Peter Högerle und Otto Betz. Mehr als 6000 Unterschriften konnten bislang durch das Aktionsbündnis für einen Tunnelbau gesammelt werden. Bürgermeister Jürgen Stempfle vertritt die Ansicht, dass „in der heutigen Zeit, wenn es nicht finanziell total aus dem Ruder läuft, nicht gegen den Willen der Bürger gebaut wird.“ Und er betont, dass ein geschlossenes Auftreten der Bürgerschaft für eine Tunnellösung wichtig sei.

T-Shirts werden verteilt

Daher wird am 17. September bereits um 17.30 Uhr eine Idee des Aktionsbündnisses umgesetzt: Es werden an alle Besucher der Veranstaltung T-Shirts mit der Aufschrift „Böbingen braucht den Tunnel“ verteilt. In der Hoffnung, dass diese T-Shirts von den Veranstaltungsbesuchern auch getragen werden. Um so ein starkes Symbol zu zeigen, was die Böbinger wollen.

Otto Betz vertritt die Ansicht, dass das Regierungspräsidium eine Brücke favorisiert. „Das ist unser Eindruck“, verdeutlicht er. Bürgermeister Stempfle wiederum sieht zum Tunnel „keinen städtebaulichen Kompromiss“. Otto Betz beschreibt, dass eine Brücke mit bis zu 400 Metern Länge einen „Unort“ erzeuge. Dadurch bestünde die Gefahr, dass der Ortskern von Böbingen sterbe. Stempfle: „Das wäre eine Entwertung.“ Und gegenteilig zu dem, was die Landesregierung immer fordere. Nämlich die Revitalisierung der Ortsmitten. Manfred Gold wiederum sieht bei einer Brückenlösung erhebliche Verzögerungen in der Bauzeit. „Da würde es gegebenenfalls um Enteignung gehen.“ Zudem fügt er an: „Jede oberirdische Lösung wäre ein Desaster für Böbingen.“

Doch zeigt sich Bürgermeister Stempfle auch zuversichtlich, dass das Regierungspräsidium genügend Erfahrung habe, einen professionellen Ausbau hinzubekommen. Als Tunnellösung. Und Stempfle informiert auch, dass eine Entwicklung des Ortskerns von Böbingen erst dann möglich wird, wenn die Bundesstraße den Ort nicht mehr oberirdisch durchtrennt – wie bisher. Eine Entwicklung der Ortsmitte wäre allerdings nicht möglich bei einem Brückenbauwerk. Außerdem er hofft auf möglichst viel Solidarität seitens der Kommunalpolitik. Diese wurde bereits mehrfach signalisiert, als das Aktionsbündnis sein Positionspapier an Kommunalpolitiker und Abgeordnete überreichte.

Entscheidung fällt 2020

Im Frühjahr 2020 wird sich das Regierungspräsidium für eine der Varianten entscheiden. Sollte eine oberirdische Lösung gewählt werden, signalisiert das Aktionsbündnis, dass es weitermachen und seine Aktionen ausweiten wird im Ringen um eine Tunnellösung. Otto Betz: Das Aktionsbündnis gibt nicht auf, sondern fängt dann erst an.“  jan

© Schwäbische Post 13.09.2019 20:08
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