Die attraktiven Nebendarsteller der Städtereisen

Europa Immer mehr Städte ächzen unter dem Einfall der Massen. Hier zeigen wir Ihnen Alternativen.
  • Liverpool statt London Foto: photolibrary.com

Zugegeben, so einen Londoner mit seinem hochnäsigen Oxford-Akzent versteht man besser als den Liverpooler Slang namens „Scouse“, benannt nach dem hier typischen, Labskaus-ähnlichen Gericht. Aber Fußballtrainer Jürgen Klopp versteht die Liverpooler ja auch inzwischen. Der Kult-Trainer ist ein Grund, in die nordenglische Stadt am Mersey zu fahren. Aber Achtung: Die hat mit dem FC Liverpool und Everton zwei Fußballclubs, darum sind die Hotels an jedem Wochenende immer gut ausgebucht. Beatles-Fans wählen das Hard Days Night Hotel – mit einer Paul- und einer John-Suite, Beatles-Bars im Keller, jeder Menge Erinnerungsstücken, Fotos und Notenblättern vieler Beatles-Titel, die über der Rezeption baumeln. Um die Ecke: die Mathew-Street, wo früher der Cavern Club war, in dem die Beatles 292-mal auftraten. In der Neueröffnung, von Insidern „Covern Club“ genannt, schrammeln sich Coverbands mehr schlecht als recht durchs Fab-Four-Repertoire, darum lieber Ohren zu, draußen bleiben und mit Phil Hughes auf Spurensuche gehen. Er macht die besten Beatles-Touren und zeigt, wo Paul als Junge aus dem Kirchenchor flog. Stephan Brünjes

Posen statt Krakau

Zugegeben: In manchen Bereichen ist Posen das genaue Gegenteil von Krakau, das seltsam außerweltlich ist. Auf Besucher wirkt es mal wie eine Wanderung durch zeitlose Viertel und genauso oft wie ein brutaler Sprung in die Vergangenheit. Posen ist greifbarer. Moderner. Schneller. Die Stadt hat sich mit den Wirrungen des 20. Jahrhunderts verändert. Doch genau das macht sie als Alternative zu Krakau so sehenswert: Was Krakau konserviert hat, wurde hier transformiert. Posens historischer Altstadtkern zum Beispiel wurde während des Zweiten Weltkriegs fast komplett zerstört und anschließend aufwendig restauriert.

Heute findet man rund um den Alten Markt einige der schönsten Beispiele für Architektur im Renaissancestil. An der Turmuhr des Alten Rathauses boxen sich zu jeder vollen Stunde zwei Ziegenböcke die Hörner gegeneinander, auf dem weitläufigen Platz davor gibt es immer wieder Märkte mit leckeren lokalen Produkten. Wer an Krakau zudem das entschleunigte Universitäts-Flair schätzt, kann sich auch in Posen entspannt treiben lassen. Die Adam-Mickiewicz-Universität Posen mit ihrem Campus, die Musikakademie und die Technische Universität sorgen für ein trubelig studentisches Gesamtbild. Sabine Fischer

© Schwäbische Post 20.09.2019 16:17
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