Kampuschs Kampf gegen Hass im Netz

Entführungsopfer sieht sich Anfeindungen in sozialen Medien ausgesetzt und fordert eine „Internet-Polizei“.
  • Natascha Kampusch hat ein Buch geschrieben. Foto: Sandra Walder/dpa
Die Österreicherin Natascha Kampusch wird seit ihrer Flucht aus einem Kellerverlies in sozialen Medien und Online-Foren beschimpft und beleidigt. Viele User hätten ihr den Tod gewünscht, sagt die 31-Jährige. „Am meisten getroffen hat es mich immer, wenn gesagt wurde, dass meine Gefangenschaft nur ein Spaziergang gewesen wäre.“

In ihrem an diesem Mittwoch (9. Oktober) erscheinenden Buch „Cyberneider. Diskriminierung im Internet“ will Kampusch ihre Erfahrungen teilen und fordert härtere Strafen für Cyber-Mobber. Eine international agierende „Internet-Polizei“ schwebt ihr vor, die bei Vergehen sofort eingreife und Betroffenen helfe.

Kampusch war als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt und mehr als acht Jahre lang in einem Keller gefangengehalten worden. Im August 2006 gelang der damals 18-Jährigen die Flucht. Stunden später brachte sich der Entführer um.

Dass sie sich in der Öffentlichkeit nicht als gebrochenes Opfer zeige, werde ihr seit ihrer Selbstbefreiung vorgeworfen, sagt Kampusch. „Sie sehen mich lächeln und kommen gar nicht auf die Idee, dass ich mich, gerade weil ich so viel Schreckliches durchgemacht habe, so freue, auf der Welt zu sein und meine Freiheit zu genießen.“

„Man hat mich schon habgierig, mediengeil, verlogen oder fresssüchtig geschimpft“, schreibt Kampusch in ihrem dritten Buch. Sie habe lange gebraucht, um sich von diesen Worten nicht mehr verletzen zu lassen. Wieso ihr so viel Hass entgegenschlage, habe sie aber bis heute nicht verstanden.

Auf bösartige Zitate ihr gegenüber aus dem Netz habe sie auf den 192 Seiten ihres Buches bewusst verzichtet. „Ich habe mich entschieden, keiner dieser Hasstiraden unnötig Raum zu geben, denn den haben sich ihre Verfasser wahrlich nicht verdient.“ dpa
© Südwest Presse 09.10.2019 07:45
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