Politisches Buch

Der Digitalisierung das Furchteinflößende nehmen

  • Nassehi, Armin Muster: Theorie der digitalen Gesellschaft Foto: C.H. Beck Verlag
Der Münchner Soziologe Armin Nassehi meldet sich regelmäßig zu Grundfragen der Gesellschaft zu Wort. Dabei genügen seine Ausführungen akademischen Ansprüchen, ohne für ein breiteres Publikum rätselhaft zu bleiben. Nun versucht Nassehi, dem Prozess fortschreitender Digitalisierung das Furchteinflößende zu nehmen, indem er feststellt: Die digitale Technik wird den Menschen nicht übergestülpt. Sie entsteht aus der Gesellschaft heraus, aus deren eigenen „Mustern“. Darunter versteht der Autor Regelmäßigkeiten des menschlichen Handelns und Verhaltens sowie der sozialen Strukturen, die durch Algorithmen nutzbar gemacht werden. Die Digitalisierung funktioniert, weil sie für viele Probleme die Lösung bringt, etwa auf Finanzmärkten oder bei privaten Beziehungen. Überall vermag digitale Technik zu ordnen, zu optimieren und zu beschleunigen. Sie schafft ihren Mehrwert durch Mustererkennung. Das klingt eher harmlos, und tatsächlich bleibt der Professor die Antwort auf brennende Fragen schuldig. Wie verwandeln sich Wirtschaft, Politik und Gesellschaft unter den Bedingungen digitaler Prozesse? Was passiert mit den Daten, die unaufhörlich generiert und gesammelt werden? Die Privatheit, schreibt Nassehi, die zum Maßstab eines rigiden Datenschutzes erhoben werde, habe in Wahrheit nie existiert, also könne die Digitalisierung eine Freiheit, die es gar nicht gebe, auch nicht einschränken. Gunther Hartwig

Armin Nassehi: Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft. C.H.Beck Verlag, München 2019. 352 Seiten. 26 Euro.
© Südwest Presse 09.10.2019 07:45
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