Papillomviren: Impfung empfohlen

Experten raten Mädchen und Jungen zum einmaligen Schutz vor mehreren Krebsarten.
  • Ein Stich gegen Krebs: Papillom-Impfung. Foto: Patrick Pleul/dpa
Viel mehr Heranwachsende sollten sich gegen krebserregende humane Papillomviren (HPV) impfen lassen, raten Experten, die sich am Dienstag am „Runden Tisches zur Ausrottung HPV-assoziierter Krebserkrankungen“ beraten haben. Die Impfquote der 15-Jährigen liege bei 31 Prozent (Stand 2015), sie müssen binnen fünf Jahren auf mindestens 70 Prozent wachsen.

Die Impfung ist vor allem als Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bei Frauen bekannt, wird aber seit 2018 auch Jungen empfohlen. Die Erreger werden vor allem sexuell übertragen. Bei den Jungen verringert die Impfung, die Wahrscheinlichkeit, an Anal-, Penis-, Mund- und Rachenkrebs zu erkranken. Nach dem ersten Sexualkontakt kann die Impfung nicht mehr wirken.

Die Impfung wird von der Ständigen Impfkommission empfohlen und von den Krankenkassen bezahlt. Sie verursache bis auf extrem seltene Einzelfälle keine anhaltenden Nebenwirkungen, teilt das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ), das den „Runden Tich“ veranstaltet hat, mit.

Letztes Jahr sind in Deutschland nach Berechnungen des DKFZ etwa 7700 Menschen an Krebsarten erkrankt, die auf eine Infektion mit humanen Papillomviren zurückzuführen sind. Darunter sind fast 4000 Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Allein daran sterben jährlich 1500 Frauen.

Mit zwei Terminen überfordert

Für die Impfmüdigkeit nannten die Experten des „Runden Tisches“ mehrere Gründe: Für 9- bis 14-Jährige fehlten die medizinischen Ansprechpartner. Nicht nur Kinderärzte, sondern auch Allgemeinmediziner und Frauenärzte müssten sich des Themas annehmen; bei einer Empfehlung durch den Arzt schnellten die HPV-Impfraten hoch.

Vielen Jugendlichen sei es zu kompliziert, den HPV-Impfstoff nach der Beratung auf Rezept in der Apotheke abzuholen und für die Impfung noch einen Termin auszumachen. Die Ärzte müssten den Impfstoff vorrätig haben. Zudem fehlten Informationskampagnen über die sozialen Medien. Empfohlen wurden Schulimpfungen, individuelle Einladungen und Impfsprechstunden. dpa
© Südwest Presse 09.10.2019 07:45
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