Tausende Jobs auf der Kippe

Der radikale Konzernumbau wird weltweit viele Stellen kosten. In Deutschland könnten 9000 Arbeitsplätze wegfallen.
  • Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Foto: Arne Dedert/dpa
Der im Juli verkündete Abbau von 18 000 Stellen weltweit wird offenbar zur Hälfte das Geschäft der Deutschen Bank in Deutschland betreffen. Aus Finanzkreisen sickerte am Dienstag durch, dass bis Ende 2022 hierzulande 9000 Vollzeitstellen wegfallen sollen.

Die Bank bestätigte diese Zahl nicht und betonte in einer schriftlichen Stellungnahme, es gebe nichts Neues, das über die Mitteilung des Vorstandes vom 7. Juli hinausgehe: „Eine Aufteilung nach Regionen und Bereichen haben wir damals nicht kommuniziert, und wir werden dies auch weiterhin nicht tun. Sobald Entscheidungen über den konkreten Stellenabbau gefallen sind, werden sie zuallererst mit den Kolleginnen und Kollegen in den betroffenen Bereichen besprochen.“

Ein Sprecher sagte am Dienstag: „Dort, wo es zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommen wird, werden wir direkt mit unseren Mitarbeitern über ihre Arbeitsplätze und die ihnen zur Verfügung stehenden Alternativen sprechen.“ Und er ergänzte: „Wir sind uns absolut bewusst, dass diese Art von Entscheidungen die Leben unserer Mitarbeiter nachhaltig beeinflussen. Deshalb werden wir alles in unserer Macht stehende tun, um bei der Umsetzung dieser Veränderungen so verantwortungsbewusst und sensibel wie möglich zu sein.“

Über Details zu den geplanten Einschnitten ist bislang nichts bekannt, weder bezogen auf Regionen noch auf Bereiche der Bank. Wann Ergebnisse zu erwarten sind, lässt die Bank offen. Offensichtlich soll aber möglichst schnell Klarheit geschaffen werden, um allzu große Verunsicherung zu vermeiden. Vermutlich will der Vorstand bis spätestens 10. Dezember Klarheit haben. Dann lädt er zum wichtigen Investorentag unter dem Motto „Investor Deep Dive“.

Konzernbetriebsratschef Frank Schulze hatte im Juli geschätzt, dass 6000 bis 10 000 Stellen in Deutschland wegfallen könnten. Darin ist der bei der Postbank bereits vereinbarte Abbau von 2000 Arbeitsplätzen enthalten, sodass 4000 bis 6000 Stellen auf die Bereiche und Filialen der Deutschen Bank entfallen könnten. Auch in der jetzt kolportierten Zahl von 9000 Vollzeitstellen soll der Abbau bei der Postbank bereits berücksichtigt sein.

Ende 2018 beschäftigte das größte deutsche Geldhaus weltweit noch 91 737 Menschen in Vollzeit, davon 41 669 in Deutschland. Ende Juni waren es global noch 90 866. Ende 2022 sollen es weltweit nur noch 74 000 sein und in Deutschland offenbar nur noch rund 32 000, sollte denn der Abbau von 9000 Arbeitsplätzen umgesetzt werden. Seit Ende 2017 hat die Bank bereits fast 7000 Vollzeitstellen weltweit gestrichen.

Unklar ist auch, ob und wie viele der derzeit noch gut 1400 Filialen in Deutschland wegfallen. Die Commerzbank hatte unlängst verkündet, dass sie 200 ihrer 1000 Filialen und damit jede Fünfte schließt. Die Deutsche Bank hatte allerdings mehrfach durchblicken lassen, dass der Abbau eher in der Verwaltung und in Abwicklungseinheiten, möglicherweise auch in der Zentrale in Frankfurt, als im direkten Kundengeschäft stattfinden soll.

Strikte Kostendisziplin

Manfred Knof, neuer Leiter der Privatkundensparte in Deutschland, prüft derzeit die Einsparmöglichkeiten. Knof stehe für strikte Kostendisziplin, heißt es. Fraglich ist, ob die Privatkundensparte weiter mit zwei Zentralen in Frankfurt und in Bonn arbeiten wird. Dort hat die weitgehend integrierte Postbank ihren Hauptsitz. Einschnitte bei der Postbank sind auch deshalb schwieriger, weil hier Ende 2017 noch rund 4300 Mitarbeiter im Beamtenverhältnis beschäftigt waren.

Neben Deutschland dürfte es vor allem die Beschäftigten in London treffen, auch wegen des Brexit. Dort arbeiteten Ende 2018 knapp 8000 Menschen in Vollzeit. Vor allem etliche Investmentbanker haben die Bank offenbar bereits im Sommer verlassen.
© Südwest Presse 09.10.2019 07:45
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