Selbstständig machen mit einem Foodtruck – so geht’s

  • Fast-Food aus dem Foodtruck ist eine beliebte Geschäftsidee. | Bild: unsplash, Micheile Henderson

Die mobile Gastronomie ist auf Erfolgskurs. Foodtruck-Festivals sprießen wie Pilze aus dem Boden und locken das Schlemmervolk hervor. Eine 2017 durchgeführte Marktanalyse der Foodtruck-Plattform Craftplaces (hier als PDF einsehbar) ergab, dass mehr als die Hälfte der befragten Foodtruck-Betreiber 2016 einen Umsatz von über 50.000 Euro generieren konnten.

Wer jetzt aber meint, mit einem Foodtruck könne man reich werden und dabei uneingeschränkte Freiheit genießen – schließlich entfallen fester Standort und teure Gewerbemiete – der sollte bedenken, dass jede Freiheit ihren Preis hat. Und der besteht für Foodtruck-Betreiber nicht allein aus den Beschaffungs- und Betriebskosten für das Verkaufsfahrzeug – das Beispiel AL-KO Chassis zeigt, dass Käufern auch bei der individuellen Zusammenstellung ihres Verkaufswagens in Punkto Komfort kaum Grenzen nach oben gesetzt sind. Eine größere Hürde als das Startkapital sind allerdings meist die vielen Vorschriften und Genehmigungen im deutschen Behördendschungel. Welche davon Existenzgründer in der mobilen Gastronomie besonders beachten müssen, erklären wir im Folgenden.

Gewerbeschein für den Imbisswagen einholen
Ob Foodtruck oder Imbissstand, niemand kann sich in Deutschland einfach auf die Straße stellen und Essen verkaufen. Selbst wenn es sich dabei nur um eine nebenberufliche Tätigkeit handelt, muss das selbstständige Gewerbe beim Gewerbeamt angemeldet werden.

Bei einem mobilen Foodtruck kommt zusätzlich die Pflicht hinzu, einmalig eine Reisegewerbekarte zu beantragen. Diese kostet zwischen 150 und 500 Euro und wird von der Kreisverwaltungsbehörde ausgestellt. Jeder Foodtrucker muss die personengebundene Karte auch unterwegs mit sich führen und bei Kontrollen vorzeigen können.

In der Regel gibt es am Imbisswagen Essen auf die Hand. Weisen jedoch Sitzgelegenheiten darauf hin, dass Kunden das Essen auch an Ort und Stelle verzehren könnten, kann der Verkaufswagen auch als Gaststätte eingestuft werden und unterliegt damit dann dem Gaststättenrecht. Das erfordert eine zusätzliche Genehmigung der Lebensmittelüberwachung und – falls Alkohol angeboten wird – auch eine Gaststättenerlaubnis, die die Stadtverwaltung bzw. das Landratsamt erteilt.

Ein Umsatzsteuerheft führen
Unternehmer, die auf Märkten und öffentlichen Plätzen Waren verkaufen, müssen ihre Umsätze und Leistungen in einem sogenannten Umsatzsteuerheft dokumentieren. Das trifft auch auf Kleinunternehmer zu, die eine Befreiung von der Umsatzsteuer beantragt haben.

Das Heft muss dem zuständigen Finanzamt regelmäßig vorgelegt werden. In den ersten zwei Jahren nach der Gründung seines Geschäfts muss der Foodtruck-Betreiber dem Finanzamt eine monatliche Erklärung zur Berechnung der Umsatzsteuer vorlegen. Später reicht es, dies einmal im Quartal zu tun. Das Umsatzsteuerheft muss stets mitgeführt und zusammen mit einer gesonderten Kostenaufstellung (Standgebühren, Benzinkosten etc.) zum 31.01. dem Finanzamt vorgelegt werden.

Standschein für den Verkauf beantragen
Einfach an der nächsten Straßenecke Hot Dogs oder Burritos verkaufen? Das ist in Deutschland selbst mit einer Reisegewerbekarte nicht möglich. Wer sein Essen auf Straßen und Plätzen verkaufen will, die für den öffentlichen Verkehr bestimmt sind, der muss bei der zuständigen Behörde eine Sondernutzungserlaubnis beantragen: den sogenannten Standschein. Damit möchte die zuständige Straßenbaubehörde sichergehen, dass das Verkaufsfahrzeug die öffentliche Ordnung nicht gefährdet.

Selbstständige Foodtrucker, die sich diesen Behördengang ersparen wollen, sollten ihre Waren ausschließlich auf einem Privatgelände bzw. privaten Firmengelände verkaufen oder sich einer größeren Veranstaltung anschließen, die bereits eine Sondernutzungserlaubnis eingeholt hat.

Hygienebelehrung und Gesundheitszeugnis
Wer mit Lebensmitteln zu tun hat, kommt um Hygienevorschriften nicht herum. Für einen Foodtruck-Betreiber gelten sowohl hygienischen Anforderungen hinsichtlich des Standorts als auch Anforderungen an das Fahrzeug, in dem das Essen zubereitet wird. Die Vorschriftslisten hierfür, die ausführlich im von der IHK Stuttgart bereitgestellten Gründerleitfaden für Foodtrucks nachgelesen werden können, sind lang und reichen von ausreichender Trinkwasserversorgung bis zur Dokumentation der täglichen Putzarbeiten.

Selbstverständlich muss nicht nur der Gründer, sondern jeder am Arbeitsplatz, der mit Lebensmitteln in Berührung kommt, relevante Unterlagen wie das Gesundheitszeugnis vorlegen können. Weitere Unterlagen, die im Foodtruck vorliegen müssen, sind Aufzeichnungen, wie das Konzept der Gefahrenidentifizierung und -bewertung (HACCP) umgesetzt wird, sowie ein Nachweis darüber, dass alle Mitarbeiter in der Lebensmittelhygiene eingewiesen wurden.

Kfz-Zulassung beantragen und Versicherungen abschließen
Zu guter Letzt ist ein Foodtruck immer noch ein Kraftfahrzeug und muss als solches natürlich zugelassen und versichert werden. Auch vorgenommene Umbauten des Trucks müssen von der Behörde bzw. vom TÜV abgesegnet werden. Damit sich ausschließen lässt, dass er mit seinem Truck unnötig umweltschädliche Abgase produziert, muss der Betreiber für sein Kraftfahrzeug außerdem eine Genehmigung im Rahmen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes beim Ordnungsamt beantragen.

Wer nach all diesen Informationen immer noch Lust darauf hat, einen Foodtruck zu betreiben, hat gute Aussichten auf Erfolg. Schließlich sollen all diese Genehmigungen und Vorschriften vor allem eines garantieren: Sicherheit und Qualität für den zufriedenen Kunden.

Bildquelle: unsplashMicheile Henderson

© Schwäbische Post 16.10.2019 13:59
356 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.