Lesermeinung

Zur Erwin-Rommel-Straße:

Aalen streitet um die Umbenennung der Erwin-Rommel-Straße im Hüttfeld. Der Vortrag von Dr. Wolfgang Proske war aber umgreifender Natur. Die Frage stellte sich, ob Rommel (und damit Nazis überhaupt) traditionswürdig sind. Die Frage ist zu verneinen. Nazis sind nicht traditionswürdig. Sie gehören in den Mülleimer der Geschichte. Das bezieht sich nicht nur auf diese Straße, die selbstverständlich umbenannt gehört (ich persönlich möchte in keiner Straße leben, die nach Hitlers Lieblingsgeneral benannt ist). Es fragt sich, wer auf die glorreiche Idee verfallen ist, eine Straße nach einem Nazi (ich will das Wort „Kriegsverbrecher“, der Rommel in meinen Augen war, gar nicht in den Mund nehmen) zu benennen.

Das bezieht sich auch auf die Liste der Ehrenbürger. Da muss Rommel getilgt werden. Wenn man schon dabei ist, diese Liste zu bereinigen, darf man den anderen Nazi, Dr. Karl Schübel, nicht vergessen. Er war von 1935 bis zu seiner Absetzung Bürgermeister der NSDAP. Unter unsäglichen Umständen (Wahlplakate seines Gegners Peter Lahnstein waren mit antisemitischen Parolen beschmiert worden!) wurde er dann 1950 wiedergewählt. 1974 wurde ihm dann aus nicht ersichtlichen Gründen das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Es fragt sich lediglich, ob das Ehrenbürgerrecht postum aberkennt werden kann oder ob dieses mit dem Tod erlischt und die postume Aberkennung nur einen symbolischen Akt darstellt. Dieser Meinung ist jedenfalls der Verfassungsrechtler Theo Öhlinger. Der Gegenmeinung scheinen zu sein die Stadt Berlin, der Deutsche Bundestag, der Deutsche Städtetag und viele mehr. Letztendlich ist der Streit darüber aber Makulatur. Selbst Öhlinger ist nämlich der Meinung, dass die postume Aberkennung des Ehrenbürgerrechts eine Distanzierung von Personen ist, die nichts zur Ehre der Gemeinde beitragen. Dies gilt aber für die Nazis Rommel und Schübel. Die Mehrzahl der anständigen Menschen möchte mit diesen Leuten nichts zu tun haben.

© Schwäbische Post 18.10.2019 17:52
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Kommentare

Christine Fuchs

Über diese Rommeldebatte kann ich nur den Kopf schütteln. Jetzt sind es über 70 Jahre nach Kriegsende. Keiner von den Leserbriefschreibern war damals live dabei. Gibt es jetzt nicht wichtigere Dinge, als in solch alten Vergehen herum zu graben ? Vielleicht gibt es noch vom 30 jährigen Krieg einen ungehörigen Strassen Namen? Diese schreckliche Zeit darf man nie vergessen, aber zieht endlich mal einen dicken Schlussstrich.