Lesermeinung

Zum Vortrag von Dr. Wolfgang Proske zu Erwin Rommel:

Als Besucher dieser Veranstaltung, bei der wir uns mehr über die Persönlichkeit Rommels und seines Lebensabschnittes in Aalen zu erfahren erhofften, waren wir sehr enttäuscht. Die von der SchwäPo angekündigte Veranstaltung war größten Teils lediglich auf die Gräueltaten des Nazi-Regimes beschränkt.

Referiert wurde ausführlich der Afrika-Feldzug. Auch über Tausende jüdische Zwangsarbeiter und Millionen verlegter Minen wurde berichtet. Auch für niedergeschlagene Partisanenaufstände und Massaker in Norditalien wurde Rommel eine Mitwisserschaft unterstellt.

Gezeigte Teildokumente und teilweise unbelegbare Thesen sollten dies bestätigen. Auch der Vorwurf, während seiner militärischen Dienstzeit habe ein Einspruch gefehlt, wurde genannt. Ist einem Historiker nicht bekannt, welche Auswirkungen eine Verweigerung auch für seine gesamte Familie gehabt hätte? Fakt ist: Rommel war auch als Generalfeldmarschall Befehlsempfänger.

Die damalige Euphorie, Überzeugung und der Glaube an den Führer ergänzten diese Situation. Eine gigantische NS-Propaganda Maschinerie machten ihn zum „Lieblingsgeneral“ und „Wüstenfuchs“, – nicht er sich selbst. Als hervorragender und erfolgreicher Generalfeldmarschall war er an verschiedensten Fronten eingesetzt und wurde weltbekannt.

Auch als fairer Kriegsgegner schuf er sich ein hohes Ansehen bei Montgomery, seinem britischen Gegenüber. Beweise für seine Mitwisserschaft sind nach 80 Jahren schwer zu erbringen und sollten nicht auf haltlosen Thesen beruhen.

Es wurde eine Befürwortung der Namensänderung „Erwin-Rommel-Straße“ hervorgehoben. Ebenso wurde die Umbenennung der noch zwei gegenwärtigen, namensgleichen Kasernen gefordert. Was das „Aalener Problem“ der Straßenumbenennung anbelangt, ist es Tatsache, dass es diesen Straßennamen in mehreren Städten ebenfalls gibt. Sollte eine Umbenennung erfolgen, müsste man sämtliche Bismarck-Straßen und Denkmäler, sowie Kaiser Wilhelm Bauwerke in Deutschland umbenennen. Denn all diese Persönlichkeiten waren im Laufe unserer deutschen Geschichte kriegsbeteiligt und Schuld am Tode tausender Menschen. Auch eine Richthofenstraße in Fachsenfeld dürfte es nicht mehr geben.

© Schwäbische Post 22.10.2019 19:36
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Kommentare

derleguan

"Sollte eine Umbenennung erfolgen, müsste man sämtliche Bismarck-Straßen und Denkmäler, sowie Kaiser Wilhelm Bauwerke in Deutschland umbenennen. Denn all diese Persönlichkeiten waren im Laufe unserer deutschen Geschichte kriegsbeteiligt und Schuld am Tode tausender Menschen. Auch eine Richthofenstraße in Fachsenfeld dürfte es nicht mehr geben."

genau das könnte man ja auch machen!

Frieder Kohler

War es der Opa/Papa Heuss:"Das Schlimmste, was Hitler uns angetan hat - und er hat uns viel angetan - ist doch dies gewesen, dass er uns in die Scham gezwungen hat, mit ihm und seinen Gesellen gemeinsam den Namen Deutsche zu tragen"?

Rommel war nicht nur Obergeselle oder Obermeister, er war ehrgeiziger und begeisterter Berufssoldat und Verehrer seines Führers. Ein Zitat von George Bernard Shaw beginnt mit "Jeder Krieg ist eine Reifeprüfung für die Generäle" - diese Prüfung hat Ihr "Befehlsempfänger" doch mit Glanz und Gloria bestanden und Tausende im brennend heißen Wüstensand in den Tod gejagt... An der Ostfront wäre Rommel zu einem Paulus geworden, ein NEIN seinem Führer zu sagen ist schwer vorstellbar bei diesem Feldherrn, der beim Anblick einer Kamera seine Hauptrolle spielte und Star der NS-Wochenschau war und wie das "Panzerlied" bei Aufbau der neuen Wehr Taufpate wurde. Ende der Legende - die Zeit ist überreif!