Der Trend zum Minimalismus

Egal, ob es ums Reisen, Wohnen oder Einkaufen geht - der Begriff "Minimalismus" ist in aller Munde.

Obwohl Minimalismus kein neues Phänomen ist, hat sich die Lebensart zu einem regelrechten Trend entwickelt. Menschen, die sich dem Minimalismus verschrieben haben, versuchen freiwillig "einfacher zu leben" und ihren Konsum auf das Nötigste zu beschränken. Methoden, im Alltag Geld zu sparen, werden so regelrecht verinnerlicht - aber nicht um Reichtum anzuhäufen, sondern des Verzichtes willen. Der Verzicht auf Überschüssiges bezieht sich dabei nicht nur auf Kauf und Besitz, sondern auch auf Beziehungen, Freizeit und Arbeit. Aus diesem Grund ist das "Simple Living" auch eng mit der in den Medien kursierenden "Achtsamkeit" verbunden: Menschen wollen ihre Zeit mit Dingen verbringen, die ihnen guttun und Sachverhalte kritisch hinterfragen, anstatt sich unreflektiert dem Konsum hinzugeben und von Marketing-Botschaften beeinflussen zu lassen.

Für echte Minimalisten bedeutet Besitz also Ballast. Während andere arbeiten, um sich Dinge leisten zu können, ist Minimalisten Zeit für sich oder Freunde wesentlich wichtiger als Geld oder materielle Güter. Um mehr Zeit für neue Erfahrungen, Freunde und Familie zu haben, verzichten viele Minimalisten demnach auf teure Dinge, die sie eigentlich sowieso nicht brauchen. So kaufen sie Kleidung oft in Secondhand-Läden und reduzieren ihre Garderobe auf das Nötigste. Und auch beim Wohnen geht es minimalistisch zu: Das Bild wird bestimmt von einfachen Möbeln, die auf Funktionalität ausgerichtet sind, und einem Verzicht auf Dekoration. Eng verbunden ist die Minimalismus-Bewegung auch mit den immer beliebter werdenden "Tiny Houses" (zu Deutsch: winzige Häuser), die in manchen Fällen nicht größer als ein Wohnwagen sind.

Wer sich zu dem Trend hingezogen fühlt, muss sich nicht direkt von seinem Hab und Gut trennen. Es gibt kleine Dinge, die man täglich tun kann, um minimalistischer zu leben. Zur einfachen Lebensweise gehört nicht nur, den Konsum einzuschränken, sondern zum Beispiel auch, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren - beispielsweise durch Energiesparen und das Vermeiden von Abfall. Viele Minimalisten verzichten auch ganz auf Fleisch, neben ökologischen oft auch aus ethischen Gründen. Wer minimalistisch leben möchte, sollte auch auf Flugreisen verzichten. Ein Urlaub in der Region entlastet nämlich nicht nur die Umwelt, sondern ist auch bedeutend günstiger als eine Fernreise.

Obwohl es kein Regelbuch für ein minimalistisches Leben gibt, sind sich Minimalisten in einer Sache einig: Lebt man einfacher und verzichtet auf Konsum, stellt sich bald eine neue Zufriedenheit ein. Diese ist losgelöst von materiellen Gütern und Alltagszwängen, die unsere Psyche belasten und uns von den eigentlich wichtigen Dingen im Leben ablenken.

Titelbild: Pixabay

© Schwäbische Post 14.11.2019 15:41
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