Lesermeinung

Bezug: Die gescheiterten Fusionsverhandlungen

Aus der Traum! Wie eine Seifenblase zerplatzte die angestrebte Fusion der drei Stadtvereine TSG, SSV und VfR. Die von den die Vorverhandlungen führenden Initiatoren vorgebrachten Pro- und Contra-Argumente erscheinen mir allerdings nur vorgeschoben und keinesfalls stringent. Wenn das für eine Fusion erforderliche Quorum an Stimmen nicht, wie prognostiziert, erreicht werden kann, so kann das nicht nur an Formalitäten und vereinsinternen Klauseln und Statuten liegen. Der Hauptgrund ist ein anderer, und der hat einen Namen: VfR Aalen.

Zu tief sitzt immer noch der Stachel gegenseitiger Rivalitäten, Aversionen und Animositäten vor allem unter den älteren traditionsorientierten Vereinsromantikern, die schon immer in einer rigiden Abschottungsmentalität verharrten und denen das anvisierte Projekt mehr als suspekt vorkommen muss.

Dabei tun das selbstverschuldete Negativimage des VfR und die bedrohliche finanzielle Schieflage eines systematisch heruntergewirtschafteten Vereins ihr Übriges. Zu lange schon liegt der hypotrophe, auf Infusionen angewiesene Verein auf der Intensivstation. Ihm hilft keine Fusion, sondern allenfalls eine monetäre Transfusion, der die wirtschaftlich solide geführten Stadtvereine TSG und SSV nie zustimmen würden.

Es ist daher durchaus nachvollziehbar, wenn ein derart risikobehaftetes Vabanque-Projekt beim Gros der Vereinsmitglieder auf wenig Gegenliebe stößt, weil eine Fusion leicht allgemeine Konfusion erzeugen und letztlich zum Rohrkrepierer, um nicht zu sagen zu einer Totgeburt führen könnte.

Dr. Kurt-Helmut Scheidle

Aalen-Unterkochen

© Schwäbische Post 19.11.2019 18:37
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Kommentare

hjhaasi

Sehr geehrter Herr Dr. Scheidle,

Ihre Bildung und den in diesem Zusammenhang einmal mehr verfassten Leserbrief in allen Ehren. Jedoch sollten Sie dabei bedenken, dass nicht alle Leser Ihrer Worte (leider icht zum ersten mal) diese aufgrund der hochgestochenen Wortwahl auf Anhieb verstehen. Kann es sein, dass Sie sich aufgrund Ihrer grossen Leserbriefanzahl einfach nur profilieren möchten? Vielleicht wäre Weniger manchmal mehr. Denken Sie mal darüber nach.

Gruß H.-J. Haas

Philipp Scherer

Anders als Herr Dr. Scheidle sehe ich den Hauptgrund für das Scheitern keinesfalls beim VfR Aalen, sondern eher bei der TSG Hofherrnweiler, die keinerlei Einschnitte in ihrer Vereinsstruktur und beim Vereinsnamen zulassen wollte.
Eine Fusion nur zwischen SSV und VfR alleine wiederum bringt keinem der beiden Vereine einen nennenswerten Vorteil: Weder kann der VfR von der Kreisligamannschaft des SSV profitieren, noch bringt dem SSV eine Kooperation mit dem VfR einen Vorteil, da der SSV seinen Schwerpunkt in anderen Breitensportarten sieht und eben nicht im Fußball. Was soll das Ganze also?

Was in Wasseralfingen funktioniert, muss deshalb noch lange nicht in Aalen klappen.