Martin kann sein Bett kaum verlassen

SchwäPo-Hilfsaktion Was das chronische Müdigkeitssyndrom mit einem jungen Mann macht. Warum die Krankenkassen keine Therapie zahlen. Und wie Advent der guten Tat helfen will.
  • Martin (l.) und Johannes sind beste Freunde seit Kindertagen. Weil Martin sich nicht mehr selbst ans Steuer setzen kann, fährt Johannes ihn zu den Therapien in Spezialkliniken. Foto: hag

Aalen

Martin Rückgauer ringt um jedes Wort. Das Sprechen fällt dem 23-Jährigen schwer. Sehr schwer. Für das SchwäPo-Interview hat er nur für kurze Zeit sein Bett verlassen. Während des Gesprächs kämpft er tapfer gegen seine permanente Erschöpfung an. Martin leidet seit vier Jahren am Chronischen Erschöpfungssyndrom – seit drei Jahren lebt er mit der Diagnose „Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome“ – kurz: ME/CFS.

Der junge Mann weiß: Dieses Gespräch wird weit über seine Belastungsgrenze hinausgehen. Es wird ihn so viel Kraft kosten, dass er die nächsten Tage wieder komplett im Bett verbringen muss. Aber Martin will die Hoffnung nicht aufgeben. Die Hoffnung auf ein bisschen mehr Lebensqualität, auf ein Stückchen mehr Alltag, abseits seines verdunkelten Schlafzimmers. Vielmehr bleibt ihm nicht übrig. Denn er weiß: Mit dieser Diagnose ist eine Heilung so gut wie ausgeschlossen.

Es ist nicht viel mehr als ein Strohhalm, an den sich Martin derzeit klammert. „Es gibt da eine Therapiemöglichkeit, die meinen Zustand möglicherweise verbessern könnte“, erzählt er. Das ist eine spezielle Blutwäsche, der er sich mindestens sechs Mal unterziehen müsste. 12 000 Euro kostet diese Behandlung. Das Problem: Keine Krankenkasse wird für diese Kosten aufkommen. Wie auch kein Kostenträger die seither von Spezialisten verordneten Therapeutika übernimmt. Martin kennt den Grund: „Die Therapien sind nicht im Leistungskatalog der Kassen enthalten.“

Der eigentlich Fatale an dieser körperlichen Erkrankung: „Sie ist derzeit noch sehr unerforscht und dennoch schwerwiegend und unheilbar“, sagt Martin, der das Schicksal mit deutschlandweit weiteren rund 300 000 CFS-Patienten teilt. Allesamt haben sie keine Lobby. Weil sich im Blutbild dieser Patienten in den meisten Fällen nichts Außergewöhnliches feststellen lässt, wird die Erkrankung seither nur über bestimmte Krankheitsmerkmale definiert. Infolgedessen finden die Betroffenen nur sehr schwer einen Arzt, der sich mit dem Krankheitsbild auskennt.

Weil es keine schulmedizinische Therapie für diese Erkrankung gibt, müssen die Betroffenen auf alternative Therapiemethoden zurückgreifen, die sie aus eigener Tasche finanzieren müssen. Daher sind die Ersparnisse des ausgebildeten Physiotherapeuten inzwischen gegen Null geschrumpft. Die Erkrankung hat ihn arbeitsunfähig gemacht. Seine einzigen Einkünfte bezieht Martin über Pflegegeld. Seit langem kämpft er um eine Erwerbsminderungsrente – bislang erfolglos.

Advent der guten Tat will Martin die spezielle Blutwäsche finanzieren. Bitte helfen Sie mit, liebe Leserinnen und Leser!

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Stichwort „Advent der guten Tat“: Konto KSK Ostalb, IBAN: DE 41614500500110050500; oder Konto VR-Bank Ostalb, IBAN: DE 05614901500101010001

© Schwäbische Post 29.11.2019 16:16
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