Rechtskonservative sehen sich gestärkt

Die Delegierten haben Jörg Meuthen als Vorsitzenden bestätigt und Tino Chrupalla als Gauland-Nachfolger gewählt. Die Partei will sich als potenzieller Regierungspartner aufstellen.
  • Jörg Meuthen (r.) und Tino Chrupalla sind die neugewählten Bundessprecher der AfD. Foto: Sina Schuldt/dpa
Der Moment des Triumphs für Jörg Meuthen und Tino Chrupalla dauerte nur wenige Minuten. Noch während sie sich in den Armen lagen, lachten und sich als neues Führungs-Duo der Partei feierten, ploppte auf den Smartphones der Delegierten in Braunschweig eine Pushnachricht auf. Die SPD hatte gerade ihre Bombe fallen gelassen und sich für Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken als neue Vorsitzende entschieden. Plötzlich war die AfD-Vorstandswahl in den Hintergrund gerückt und es stellte sich die Frage: Falls die Groko platzt, kann die AfD Regierungsverantwortung übernehmen?

Der alte und neue Vorsitzende Jörg Meuthen war es, der diese Frage am klarsten zu beantworten versuchte. „Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn es soweit kommt“, sagte der Baden-Württemberger am Samstagabend in Braunschweig. „Die Möglichkeit, ohne uns zu regieren, wird immer schwieriger“, sagte er und schränkte zugleich ein: Auf Länderebene sei dies aber leichter als im Bund. Auch Alice Weidel, die zur Vize-Sprecherin gewählt wurde, bekräftigte: „Wir sind sehr gut vorbereitet auf Neuwahlen.“ Wo die AfD aber im Falle von Neuwahlen und eines guten Abschneidens Bündnispartner finden wolle, konnten die Chefs nicht beantworten.

Das könnte auch mit der Frage zusammenhängen, wie konservativ-bürgerlich die AfD tatsächlich ist. Der Parteitag stand ganz im Zeichen eines Rückens in die Mitte. Das zeigte allein schon die Sprache der Redner. Der Ex-Vorsitzende Alexander Gauland mahnte die rechtsradikalen Parteimitglieder zur Mäßigung: „Ich plädiere für einen realistischen demokratischen Weg.“ Meuthen betonte, die Partei müsse erwachsen werden. Erst durch eine konservative Führung könne die Partei mehr Wähler anziehen. Er stehe für Patriotismus, nicht aber Nationalismus. Demonstrativ begrüßte Meuthen deshalb auch, dass sein Gegenkandidat Wolfgang Gedeon, gegen den ein Parteiausschlussverfahren wegen antisemitischer Äußerungen läuft, ausgebuht wurde. Als Gedeon auf die Bühne trat, verließen viele Delegierte den Saal. Sie rief „Pfui“ und „Schwein“. „Es war ein schöner Moment“, sagte Meuthen.

Wichtiger Baustein in Sachen konservativer Ausrichtung soll der zweite Vorsitzende, Tino Chrupalla, sein. Er setzte sich gegen den für seine scharfen Reden bekannten Gottfried Curio durch. Von Chrupalla wird erwartet, dass er Ost und West verbindet und die unterschiedlichen Kräfte zusammenführt. Ob ihm das gelingt? Es fiel zumindest auf, dass Flügel-Frontmann Björn Höcke dieses Mal kaum in Erscheinung trat. Das muss nicht bedeuten, dass der Einfluss der Rechten schwindet. Zumal der Höcke-nahe Stephan Brandner in den Vorstand kam. Nächster Meilenstein ist der Parteitag im April, wo die AfD über ein Rentenkonzept entscheidet. Dorothee Torebko

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© Südwest Presse 02.12.2019 07:45
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