Bewerbungsgespräche über Skype: Pro und Contra

Immer öfter möchten Arbeitgeber Bewerber mit Hilfe von Video-Interviews kennenlernen. Besonders in der ersten Bewerbungsrunde wird das Bewerbungsgespräch gerne über Skype oder eine ähnliche Software geführt. Für ältere Bewerber wird dabei oft die Einrichtung der Technik zum Problem. Die jüngere Generation hingegen ist schon bestens an die Nutzung solcher Programme gewohnt. Viele von ihnen gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie laden eine Videobewerbung hoch, um ihren Lebenslauf zu ergänzen. Die Einladung zu einem Videointerview ist für sie also keine unangenehmen Überraschung. Doch auch, wenn der Umgang mit der Software keine Probleme birgt, ist das Video-Interview nicht für jede Situation geeignet. Was sind die Vor- und Nachteile dieser Methode?

Geringer Aufwand
Dieser Punkt kommt sowohl dem Arbeitgeber als auch dem Bewerber zugute. Das Unternehmen kann durch das Bewerbungsgespräch per Video einiges an Zeit und Kosten einsparen. Da der Bewerber keine weite Anreise auf sich nehmen muss, kann das Gespräch kurz gehalten werden. Tiefergehende Fragen können für ein zweites, persönliches Treffen aufgehoben werden – wenn der Kandidat denn überzeugt hat. Auch die Erstattung der Anreisekosten entfällt für das Unternehmen auf diese Weise. Auch der Kandidat freut sich, wenn er nicht durch die halbe Bundesrepublik fahren muss, um dem potentiellen Arbeitgeber zu begegnen. Schließlich ist zu diesem Zeitpunkt bei Weitem noch nicht sicher, ob er den Job überhaupt bekommt. Auch die Zusammenstellung des Outfits wird erleichtert, denn im Grunde genommen kann bei dem Interview auch eine Jogginghose zum Businesshemd getragen werden. In Sachen Effizienz ist das Video-Interview also eindeutig ein Gewinner.

Verbindungsprobleme
Mit dem verringerten Druck ist es aber im Nu vorbei, wenn es plötzlich Verbindungsprobleme gibt. Das Bild fängt an zu stocken, die Stimme des Gesprächspartners kommt auf einmal nur noch verzerrt durch die Leitung. Auch mit größter Anstrengung ist es kaum möglich, die Fragen zu verstehen. Da sind Missverständnisse vorprogrammiert. Von einer solchen Unterbrechung lassen sich viele Menschen aus dem Konzept bringen. Es kann dann schwierig sein, die Fassung zurückzugewinnen und das Gespräch souverän fortzuführen.

Kein persönlicher Kontakt
Trotz großer Bemühungen, die Videotelefonie als Ersatz für persönliche Treffen einzuführen, wird sie dafür tatsächlich nur in wenigen Bereichen verwendet. Und das trotz des enormen Einsparungspotentials. Der Grund dafür ist, dass der persönliche Kontakt zwischen Menschen für ein engeres Kennenlernen unverzichtbar ist. Ein Händedruck, ein gemeinsamer Kaffee – das alles gehört zum Aufbau einer sozialen Beziehung einfach dazu. Bevor ein Kandidat endgültig eingestellt wird, gehört zum Bewerbungsprozess daher in aller Regel auch noch ein persönliches Interview.

Video-Interviews bringen also einige Vorteile mit sich. Trotzdem können sie das herkömmliche Bewerbungsgespräch nicht ersetzen. Vielmehr sind sie als eine Screening-Methode nützlich. So kann ohne großen Aufwand die Selektion vielversprechender Kandidaten aus einer großen Auswahl erfolgen. Es ist deshalb anzunehmen, dass die Verbreitung von Video-Interviews in Zukunft noch weiter ansteigen wird.

Bildquelle: unsplashMarten Newhall

© Schwäbische Post 02.12.2019 11:43
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