Lesermeinungen

Kein „unsinniges Unterfangen“

Zum Kommentar „Der Radler-Sache einen Bärendienst erwiesen“, erschiene in der Gmünder Tagespost am Samstag, 30. November:

Sehr geehrter Herr Länge, als treue Tagespost-Leserin weiß ich Ihre Kommentare sehr zu schätzen und stimme normaler–weise in über 90 Prozent der Fälle mit Ihnen überein. Im vorliegenden Fall allerdings nicht. Als Alltagsradlerin werde ich täglich mit den Gefahren des Verkehrs konfrontiert. Trotz gelber Weste werde ich von Autofahrenden übersehen, mit viel zu geringem Abstand überholt, als Verkehrshindernis angehupt oder beschimpft und muss mich über zugeparkte Radwege ärgern.

Dass ein Auto während der Demo einen Radler rammte, ist ein Beleg für die Gefahren, denen Radler ausgeliefert sind und Ihnen noch nicht einmal ein Wort wert. Stattdessen greifen Sie den Initiator Volker Nick persönlich an. Und bezeichnen die gerichtliche Klärung des von der Stadt ausgesprochenen Demonstrationsverbots als „komplett unsinniges Unterfangen“.
Kein Wort dagegen zur Argumentation der Stadtverwaltung, die mindestens einige Fragen aufwirft. Selbst bei sehr großzügiger Auslegung erscheint eine dreistündige Tunnelsperrung für eine etwa 20-minütige Demo etwas übertrieben. Gerne würde ich diese Frage übrigens durch einen Besuch in der Tunnel-Leitstelle klären. Fragwürdig ist außerdem der Versuch der Stadt, im Vorfeld das Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde für die Demo vorzuschieben — obwohl die Stadt selbst die Genehmigung erteilt beziehungsweise versagt. Diese Aspekte vermisse ich in Ihrem Kommentar.

Ich kann leider nicht feststellen, dass sich in den letzten 20 Jahren in Gmünd viel für uns Alltagsradelnde getan hätte. Wir haben bereits immer wieder für das Verkehrsmittel Fahrrad geworben. Und haben auch tatsächlich für touristische Zwecke einige schöne Radwanderwege bekommen. Aber das reicht nicht! Um als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmende wahrgenommen zu werden, müssen wir andere Wege beschreiten. Eine Fahrraddemo durch den Tunnel wäre einer davon gewesen.

© Schwäbische Post 02.12.2019 20:12
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Kommentare

In my humble opinion

>Um als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmende wahrgenommen zu werden ...<

Zur Gleich'berechtigung' gehört auch die ( Gleich- )Verpflichtung, die §§ der StVO einzuhalten, auch als Fahrradfahrer!

Im Auto sitzend kann es mir im Prinzip egal sein, wenn erwachsene Fahrradfahrer über den Bürgersteig brettern, zu Fuß auf eben diesem Bürgersteig ist es mir hingegen nicht egal, wenn ich da beinahe umgemangelt werde.

In beiden Fällen ist es mir nicht gleichgültig, wenn sich Fahrradfahrer strampelnd auf den Zebrastreifen ein vermeintliches Vorrecht erkämpfen.

Da der Platz in einer Stadt in der Ebene ziemlich endlich ist ( und es keine zweite Ebene für Fahrradfahrer und/oder Fußgänger gibt ), müssen wir uns alle auf der Basis der StVO als 'Spielregel' miteinander arrangieren.