Zug statt Flug: Warum Reisen mit der Bahn im Trend liegen

  • Bahnreisen boomen: Wer auf den Flieger verzichtet und mit dem Zug reist, spart Treibhausgase und kommt meist auch bequemer an sein Ziel. | Bild: Daniel Abadia on Unsplash

Alle reden vom Klimaschutz. Immer mehr Menschen tun auch etwas dafür. Statt mit dem Flieger zum Ziel zu jetten, nehmen sie den Zug. Der Umstieg lohnt sich auch aus anderen Gründen.
Es gibt Menschen, die jeden Tag mit der Bahn zur Arbeit fahren. Die sich am Ferienbeginn mit ihren Kindern und Koffern in einen vollen ICE quetschen. Und es gibt Menschen wie Gerhard Liebenberger. Rund acht Monate nahm sich der Reiseblogger Zeit, um von Salzburg nach Ho-Chi-Minh-Stadt zu gelangen. Dabei war die tatsächliche Länge der Tour nur Liebenbergers persönlichem Faible für den Fernen Osten geschuldet. Ohne Umwege hätte der selbsternannte "Andersreisende" sein Ziel binnen zwölf Tagen und mit nur drei Mal Umsteigen (Moskau, Peking, Hanoi) erreicht.

Mit dem Flieger hätte Liebenberger gerade einmal einen Tag für die rund 13.500 Kilometer zwischen Mitteleuropa und Südostasien gebraucht. Allerdings mit einer verheerenden Umweltbilanz. Laut CO2-Rechner des Umweltbundesamtes wären Hin- und Rückflug zusammen für einen Ausstoß von 7,88 Tonnen CO2 verantwortlich. Das ist nur rund eine Tonne weniger als der durchschnittliche Pro-Kopf-Wert von Deutschland - gerechnet auf ein Jahr, wohlgemerkt. Die Bahnreise kommt dagegen auf moderate 2,91 Tonnen CO2. Wer auf das Flugzeug verzichtet, erspart dem Klima also zwei Drittel der CO2-Belastung. Wenngleich er elf Tage länger braucht.

Städtetrip mit der Bahn: Nachhaltig und bequem
Nun ist eine transkontinentale Bahnfahrt nicht jedermanns Sache. Doch immer mehr Menschen vermeiden es, bei Reisen innerhalb Europas oder des eigenen Landes zu fliegen. Trendsetter dieser Entwicklung ist Schweden. Wie das auf Nachhaltigkeitsthemen spezialisierte Portal Klimareporter.de berichtete, entstand bei unseren skandinavischen Nachbarn im Anschluss an die "Flugscham"-Debatte im vergangenen Jahr eine regelrechte Zug-statt-Flug-Bewegung, die sich in den sozialen Medien unter dem Hashtag #jagstannarpåmarken ("ich bleibe auf dem Boden") organisierte. Die schwedische Bahngesellschaft SJ kündigte prompt den Ausbau von Flotte und Verbindungen an.

Die möglichst nachhaltige An- und Abreise spielt für viele Menschen die entscheidende Rolle, um vom Flugzeug auf die Bahn umzusteigen. Dabei braucht sich die Bahn auch in anderen Punkten nicht zu verstecken: Viele Metropolen und Kulturstädte sind ideal mit dem Zug zu erreichen - und das oft sogar staufrei. Rechnet man Startverzögerungen und Wartezeit an der Gepäckausgabe hinzu, lassen sich die meisten Destinationen genauso schnell auf der Schiene erreichen wie auf dem Luftweg. Zumal die Pünktlichkeit der Bahn generell besser ist als ihr Ruf.

Online-Plattformen erleichtern Ticketbuchung
So attraktiv Reisen mit der Bahn auch sind, so verwirrend kann die Buchung der Tickets sein. Sei es bei Angeboten der Deutschen Bahn, sei es bei Fahrkarten von Konkurrenten wie FlixTrain oder ausländischen Anbietern wie Trenitalia (Italien), SNCF (Frankreich), ÖBB (Österreich) oder SBB (Schweiz). Online-Plattformen wie Omio helfen Kunden, sich einen Überblick über die verschiedenen Angebote zu verschaffen und Tickets online zu kaufen. Für den Fall, dass das Ziel nicht so gut mit der Bahn erreichbar ist, kann man sich bei Omio beispielsweise auch die Anreise mit dem Bus oder Flugzeug anzeigen lassen.

Die sind zwar nicht so nachhaltig, zu Ferienbeginn wohl aber etwas nervenschonendere Arten des Reisens. Sein Klimabewusstsein muss man trotzdem nicht zuhause lassen. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Unternehmen, mit denen man den CO2-Ausstoß einer Flugreise kompensieren kann. Klimaschutzorganisationen wie Atmosfair fördern etwa Windkraftanlagen in Nicaragua oder solarthermische Heizungen in Südafrika. Die erzielten Einsparungen werden mit der Menge an CO2 verrechnet, die während des Fluges entstanden ist. So ist zumindest sichergestellt, dass das Klima nicht zusätzlich belastet wird.

Photo by Daniel Abadia on Unsplash

Bildunterschrift:

© Schwäbische Post 04.12.2019 11:20
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