„Werde darüber nachdenken“: Klopp nächster Bundestrainer?

In Diskussionen um die Nachfolge von Joachim Löw als Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wird ein Name stets besonders hoch gehandelt: Jürgen Klopp. Der Ex-BVB-Meistertrainer ziert sich zwar noch. Dennoch glauben viele Branchenkenner, dass der Posten als Bundestrainer genau das Amt ist, mit dem der Schwabe nach seinem Engagement in Liverpool liebäugelt.
  • Bild: unsplash, Robert Bye

Eine direkte Bewerbung wollte Jürgen Klopp im Gespräch mit Johannes B. Kerner auf Magenta TV unlängst nicht abgeben. „Wenn sich die Frage stellt, werde ich darüber nachdenken.“ Die „Frage“ betrifft seine Ambitionen, eines Tages Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft zu werden. „Stand heute hätte ich gar keine Lust darauf, weil ich mich hier wohlfühle“, wiegelte Klopp mit Verweis auf sein seit Ende 2015 laufendes Engagement beim FC Liverpool ab.

Sein dortiger Vertrag läuft im Sommer 2022 aus. Gleiches gilt für den Kontrakt von Bundestrainer Joachim Löw. Sollten beide bis zum Ende im Amt bleiben, würden sich die zahlreichen Klopp-Befürworter wohl dennoch weiter gedulden müssen. Nach seiner Zeit bei den „Reds“ will der Starttrainer nämlich „in jedem Fall eine Pause machen“.

Dass der gebürtige Stuttgarter an der Anfield Road verlängert, ist denkbar, aber nicht übermäßig wahrscheinlich. Das hat zum einen klimatische Gründe: „Für immer bleiben wir hier nicht. Dafür ist das Wetter zu schlecht“, erklärte Klopp gegenüber „Focus online“. Zudem dürften ihm bis dahin die sportlichen Ziele ausgegangen sein.

Champions-League-Sieger darf „Kloppo“ sich seit Mai bereits nennen. Auch scheint es nur eine Frage der Zeit, bis der Erfolgscoach dem darbenden Liverpooler Anhang nach drei Dekaden wieder den englischen Meistertitel beschert. Die Chancen stehen ausnehmend gut, dass ihm dies bereits in der laufenden Saison gelingt. Nach 16 Spieltagen führt sein Team die Tabelle mit 46 von möglichen 48 Punkten unangefochten an.

Direkter Verfolger ist zurzeit nicht etwa Pep Guardiolas Manchester City, sondern der Sensationsmeister von 2016, Leicester City (38 Zähler). Wer im Moment in der Premier League den Ton angibt, zeigte sich besonders eindrucksvoll beim souveränen 3:1-Erfolg der Liverpooler über Man City Mitte November. Saisonübergreifend sind die „Reds“ seit nunmehr 33 Spielen ungeschlagen.

Der Hochverehrte: Klopps Kultstatus
Angesichts der Erfolge, die Klopp an der Irischen See feiert, überbieten sich die Kommentatoren auch hierzulande in Lobeshymnen. Das „Taktik-Genie“ habe „den Fußball neu erfunden“, schwärmt etwa das Portal „Sportbuzzer“ und sieht ihn längst auf Augenhöhe mit Ex-Bayern-Coach Guardiola.

Klopp genießt an der Anfield Road mittlerweile den gleichen Kultstatus wie an seinen früheren Wirkungsstätten Mainz und Dortmund, wo er schon zu Lebzeiten zur Legende avancierte. Nachdem er die Rheinland-Pfälzer 2004 erstmals in die Bundesliga geführt hatte, wechselte er 2008 zu Borussia Dortmund.

Die Schwarz-Gelben befanden sich damals inmitten der schlimmsten Krise ihrer Geschichte. Abseits sportlicher Misserfolge machte der Revierclub vor allem mit einem Schuldenberg von rund 100 Millionen Euro Schlagzeilen, der um ein Haar in der Insolvenz geendet hätte.

Unter dem neuen Übungsleiter fand man indes rasch in die Erfolgsspur zurück: Nach einem 6. und einem 5. Platz führte Klopp den BVB Anfang des Jahrzehnts zu zwei deutschen Meistertiteln, dem Sieg im DFB-Pokal 2012 sowie in das Champions-League-Finale 2013, in dem man dem Ligakonkurrenten Bayern München mit 1:2 unterlag.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke fragt sich noch heute, ob er 2015 richtig daran tat, Klopp ziehen zu lassen. „Vielleicht war das ein Fehler. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn wir die Mannschaft ausgetauscht hätten – und nicht den Trainer. Denn so einen Trainer, das war mir klar, würden wir nie wieder bekommen.“

Bildquelle: unsplash, Robert Bye

© Schwäbische Post 12.12.2019 09:22
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