Kommentar Elisabeth Zoll zur Zölibatsdebatte

Ab in die Stille

  • Elisabeth Zoll Foto: Volkmar Könneke
Ein Leben „verborgen vor der Welt“ wolle er führen, sagte Benedikt XVI. bei seinem spektakulären Rücktritt vom Papstamt 2013. Doch inzwischen meldet sich der 92-Jährige immer öfter ungefragt öffentlich zu Wort, wie gerade eben mit seiner Warnung, die verpflichtende Ehelosigkeit für Priester auch nur einen Jota zu ändern.

Der Zeitpunkt des Zwischenrufs ist brisant. Papst Franziskus arbeitet am Schlussdokument zur Amazonassynode vom Herbst, bei der auch die Weihe verheirateter Männer zu Priestern auf der Agenda stand. Weil geweihte Männer in der riesigen Amazonasregion fehlen, werden vielen Gläubigen Sakramente verwehrt. Franziskus ringt um Antworten für Menschen dieser Zeit. Benedikt XVI. pocht auf die Vergangenheit. Die Kirche seiner Kindheit will er stur bewahren. Dafür spannt er sich vor den Karren Erzkonservativer wie Kardinal Robert Sarah aus Guinea.

Benedikt XVI. fällt als Papst-Pensionär nicht zum ersten Mal aus der Rolle. Es ist erst Monate her, da versuchte er öffentlich, die Ursachen für den sexuellen Missbrauch von Geistlichen auf die sexuelle Revolution der 1960er Jahre zurückzuführen. Auch die Förderung einer betont konservativen Medienstiftung ist nicht so unschuldig, wie öffentliche Bekundungen glauben machen.

Die Grätschen des hochbetagten Bayern verstören. Sie lassen den Gehorsam vermissen, den Konservative für das Papstamt sonst so unerbittlich fordern. Benedikt XVI. untergräbt mit seinen Volten die Autorität des Papstamtes und die seines Nachfolgers Franziskus. Der 92-Jährige täte deshalb gut, sich an seine eigenen Zusagen zu erinnern: Rückzug in die Stille und: Klappe halten.
© Südwest Presse 14.01.2020 07:45
157 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.