Lesermeinung

Zum Thema „Zölibat und Papst Benedikt“

Der ehemalige Papst Benedikt XVI. hat sich in einem Buch (zusammen mit Kardinal Sarah) vehement gegen jede Aufweichung des Priesterzölibats gewandt. Die katholische Kirche dürfe „diabolischen Einflüsterungen“ nicht folgen. Da ich evangelischer Christ bin, kann man natürlich fragen, was mich das angeht. Interessant finde ich aber Benedikts Begründung. Das Priesteramt verlange die vollständige Hingabe an dieses Amt. Ehemann zu sein verlange wiederum die vollständige Hingabe an die Ehe. Beide Berufungen seien unmöglich miteinander in Einklang zu bringen. Entweder Priester oder Ehemann. Ich bin ein verheirateter evangelischer Pfarrer. Selten wurde meine pastorale Existenz derart in Frage gestellt wie durch solche Äußerungen. Was erschwerend dazu kommt – sagen Sie es bloß nicht weiter! – ist, dass ich mit einer Pfarrerin verheiratet bin. Man kann verstehen, dass mir da der Schreck in die alten Knochen fährt. Habe ich alles falsch gemacht? Hat Martin Luther völlig geirrt, als er seine Katharina von Bora geheiratet hat und damit das evangelische Pfarrhaus gestiftet hat? Nun muss ich zugeben, dass ich sowohl als Pfarrer wie auch als Ehemann und Vater Fehler gemacht habe. Nur, wer macht das nicht? Auch ich bin nur ein Sünder wie alle Menschen. Benedikt hat noch als Papst unmissverständlich gesagt, dass ausschließlich die römisch-katholische Kirche tatsächlich Kirche sei. Typen wie ich leben „nur“ in einer „christlichen Gemeinschaft“. Von einem, der so spricht, kann man gewiss auch in Sachen Zölibat nur rückwärts gewandte Äußerungen erwarten. Jedenfalls wünsche ich Papst Franziskus die Kraft zu mutigen Entscheidungen. Und im Übrigen bin ich froh, dass das letzte Urteil über meine Existenz kein Mensch, sondern Jesus Christus spricht.

© Schwäbische Post 16.01.2020 21:09
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Kommentare

Christine Fuchs

Auch die Kath. Kirche wird sich an die neue Zeit anpassen müssen, sonst wird sie noch mehr Mitglieder verlieren. Das Zölibat und die Frauen scheint für die Kath. Kirche ein sehr grosses Problem zu sein. Ich persönlich finde, dass die ev. Priester hren Beruf sehr gut im Einklang mit ihrer Familie ausüben.  Es wird Zeit,  dass der Vatikan endlich umdenkt. Die Missbrauchsfälle waren für mich persönliich das größere Problem.