Ausbildung – Einsatz für Stadt und Natur

Fachkräfte für Abwassertechnik reparieren und überwachen Kläranlagen.
  • „Interesse an Chemie ist wichtig“: David Uweis, Auszubildender. Foto: Henning Kaiser/dpa -tmn-

Ob beim Duschen, Waschen oder Spülen: Sobald das Abwasser den Abfluss hinab rauscht, ist es für die meisten Menschen aus dem Sinn. Wie es gereinigt wieder in die Natur kommt, darüber machen wir uns im Alltag kaum Gedanken.

Anders sieht das bei David Uweis aus: Er ist im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zur Fachkraft Abwassertechnik bei der Kläranlage der Stadt Bonn. Ein Klärwerk ist ein komplexes System mit mechanischen, biologischen und chemischen Reinigungsstufen.

Zum Berufsalltag des Auszubildenden gehören deshalb ganz unterschiedliche Bereiche. Einerseits sind Abwassertechniker draußen in der Anlage unterwegs. „Wir sind dafür zuständig, die Geräte und Instrumente instand zu halten“, sagt Uweis. Die Azubis begleiten zudem die Pumpwerksentstörungsdienste, erklärt Astrid Hackenesch-Rump von den Berliner Wasserbetrieben.

Mithilfe von Pumpwerken wird Abwasser aus der Kanalisation in die Klärwerke gepumpt. „Immer häufiger kommt es zum Beispiel durch Feuchttücher zu Verstopfungen“, sagt Hackenesch-Rump. Dann müssen Abwassertechniker die entsprechende Pumpe öffnen und reinigen. Hinzu kommt die Arbeit im Labor, wo die Fachkräfte Wasser- und Klärschlammproben untersuchen.

Ein Großteil der Zeit am PC

„Interesse an Chemie ist wichtig“, sagt Uweis. Denn nur wer versteht, welche Prozesse zur Reinigung des Wassers in Gang gesetzt werden, kann regulierend eingreifen. Vieles läuft digital ab. Über das sogenannte Prozessleitsystem können die Fachkräfte die Abläufe in der Kläranlage steuern. „Einen Großteil der Arbeit erledigt man also auch am PC“, sagt Uweis. Künftig wird die Steuerung via Software in den Klärwerken immer entscheidender, erklärt Clivia Conrad, Bundesfachgruppenleiterin Wasserwirtschaft bei der Gewerkschaft Verdi. Die Handarbeit falle nicht weg, aber Daten zu lesen und richtig zu interpretieren, gewinne an Bedeutung.

Schon jetzt trainieren Auszubildende für diese Tätigkeit mit einem simulierten Klärwerk, das sie eigenverantwortlich steuern. Kenntnisse in Chemie, gut rechnen können und mit Routinen klarkommen gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen. „Ein mittlerer Schulabschluss sollte es sein, und schlechter als eine Drei sollte man in Chemie und Physik auch nicht stehen“, sagt Hackenesch-Rump.

Wir sind dafür zuständig, die Geräte und Instrumente instand zu halten.

David Uweis
Ausbildung zur Fachkraft
Abwassertechnik

Gesunde Robustheit notwendig

Es gebe aber Ausnahmen. Die Arbeit mit Abwasser hat kein gutes Image. Vorurteile bekommen die Fachkräfte immer wieder zu hören. Auch wenn David Uweis das noch nicht persönlich erlebt hat, kennt er die Vorbehalte: „Etwa, dass man im Schlamm herumwühlt oder die Arbeit unhygienisch ist.“

Natürlich habe man mit Abwasser zu tun, und an die Gerüche auf dem Gelände einer Kläranlage müsse man sich gewöhnen. Aber in den Gebäuden gebe es zum Beispiel Luftwäscher, sodass man das Abwasser zwar ab und an riecht, aber ohne Bedenken arbeiten könne. Wichtig ist, dass angehende Abwassertechniker „mit einer gesunden Robustheit ausgestattet“ sind, etwa, was Gerüche und Farben des Wassers angeht, erklärt Hackensch-Rump.

David Uweis weiß zu schätzen, dass er einer verantwortungsvollen Tätigkeit nachgeht und jeden Tag die Ergebnisse seiner Arbeit sieht: Am Zulauf kommt das schmutzige Abwasser an, beim Ablauf ist es so sauber, dass es zurück in die Natur geleitet werden kann. Ein wichtiger Prozess, damit Stadt und Natur für alle lebenswert bleiben. „Das ist einer der Hauptfaktoren, warum mir die Arbeit Spaß macht.“ Vergütet werden die Fachkräfte bei Kommunen nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes. Die Bundesagentur für Arbeit gibt Werte zwischen rund 1 000 und 1 100 Euro brutto im Monat an, gestaffelt nach Lehrjahr.

In der chemischen Industrie fällt die tarifliche Vergütung demnach etwas geringer aus. „Direkt nach der Ausbildung kommt man oft schon auf 2 000 Euro netto im Monat“, sagt Hackenesch-Rump. Wer nach der Ausbildung beruflich weiterkommen will, kann einen Meister oder Techniker machen, etwa der Fachrichtung Wasserversorgungstechnik oder Umweltschutztechnik. David Uweis möchte nach seiner Ausbildung studieren. „Es gibt Studiengänge wie Wasserwirtschaft und Wasserversorgung oder Umwelttechnik. Mich interessiert aber die Fachrichtung Siedlungswasserwirtschaft.“

In den kommenden Jahren werden Klärwerke durch neue Reinigungsstufen erweitert. „Das sind ganz neue Stoffe, mit denen dann hantiert wird“, sagt Hackenesch-Rump. Ihre Prognose: Abwassertechnik werde aufgrund steigender Umweltanforderungen und dem Bestreben, so viel wie möglich aus dem Abwasser herauszuholen, ein noch aufwendigeres Geschäft. Amelie Breitenhuber

© Schwäbische Post 28.02.2020 16:11
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