Myanmar und das Museum der Zukunft

Beim neuen Format des Stuttgarter Linden-Museums geht es um Austausch – vor allem mit indigenen Partnern.
  • Traditionelle Kleidung spielt eine wichtige Rolle. Foto: Katrin Stahl
Eine bunt gestreifte Tunika aus Baumwolle, eine Panflöte aus Bambus, eine Kette aus Münzen: Das erste „LindenLab“ im Stuttgarter Linden-Museum ist ein Kurztrip mitten hinein in die Kultur Myanmars – eine Ausstellung der besonderen Art.

Wie sieht es aus, das ethnologische Museum der Zukunft? Wie gelingen neue Formen der Wissensvermittlung und Präsentation? Beantworten will das Linden-Museum diese Fragen in insgesamt acht experimentellen Projekten – einem „Labor“, bei dem der Austausch und die Partizipation im Vordergrund stehen. Das erste Thema: die Kooperation mit indigenen Gesellschaften in Myanmar. Der südostasiatische Staat blickt auf eine bewegte und oftmals grausame Vergangenheit zurück. Britische Kolonialherrschaft, strenge Militärdiktatur, Jahre des Bürgerkriegs. Umso wichtiger erscheint da die lange Kulturgeschichte des Landes.

Alt und neu in einer Ausstellung

Die indigenen Projektpartner des Linden-Museums stammen aus der Karenni-Region im thailändischen Grenzgebiet. In Workshops lernten sie die Sammlung des Völkerkundemuseums kennen und erstellten gemeinsam eigene Objekte im traditionellen Stil. Textilien, Schmuck, Musikinstrumente und Alltagsgegenstände. In Stuttgart können Besucher diese nun in einem Extra-Bereich der Dauerausstellung finden, ergänzt durch zahlreiche Erklärungen und Video-Dokumentationen.

„Die traditionellen Kleider sind für uns etwas sehr Besonderes“, sagte Khun Myo Aung, der mit drei anderen Vertretern der Kayan und Kayaw Literatur-und-Kultur-Zentralkomitees aus Myanmar ins verregnete Stuttgart gekommen war. Für ihre eigene Kulturarbeit hätten sie aus dem Projekt viel mitgenommen. „Wir wollen jetzt mit unserer eigenen Ausstellung beginnen.“ Das bestätigte auch Kurator Georg Noack: „Unsere Aufgabe ist nicht nur die Wiedergutmachung, sondern auch das Empowerment.“

Weiter geht das von der Bundeskulturstiftung geförderte „LindenLab“ am 30. April mit der Frage nach neuen Wegen der Provenienzforschung. Katrin Stahl
© Südwest Presse 29.02.2020 07:45
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