Kommentar Günther Marx zur Entwicklung in Syrien

Nato in der Bredouille

  • Günther Marx Foto: Gerd Markert/MOZ
Aus Sicht von Machthaber Assad ist es logisch – nachdem seine Macht gefestigt ist –, die letzte Rebellenhochburg im Land zu Fall zu bringen; ohne Rücksicht auf Verluste. Allerdings spielt auch die Türkei dabei eine höchst fragwürdige, von humanitären Skrupeln unbelastete Rolle.

Die bestimmende Figur der Szenerie in Syrien ist aber Russlands Präsident Putin, ohne dessen Zustimmung und Hilfe Assad nicht handlungsfähig wäre. Mit der neuerlichen Eskalation bewirkt Putin zweierlei: Er zeigt dem türkischen Präsidenten Erdogan, mit dem er bislang in seltsamer Partnerschaft verbunden war, die Grenzen auf und bringt zugleich die Nato, an die sich Erdogan in seiner Not plötzlich erinnert, in die Bredouille.

Das Bündnis reagiert mit Appellen und wird Erdogan nur bedingt Beistand gewähren können, solange er selbst militärisch aggressiv auftritt. Dafür spielt Erdogan wiederum die Flüchtlingskarte. Das Ergebnis: An ihrer Südost-Flanke zerfleddert die Nato weiter. Auch weil US-Präsident Trump an der Gegend wenig Interesse zeigt und Putin seinen Spielraum nutzt. Es ist aber ein gefährliches und unmenschliches Spiel.
© Südwest Presse 29.02.2020 07:45
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