Ein Virus: Mittendrin und voll dabei

Absagen und Verlegungen, im Fußball etwa drohen Geisterspiele. Vielleicht auch bei der Europameisterschaft. Auch die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio rücken schon jetzt in den Fokus. Einige aktuelle Beispiele.
  • Von Fußball bis Tischtennis: Der Coronavirus beeinflusst fast alle Sportarten. Foto: Montage Raiola / Fotos: Swen Pförtner, Ng Han Guan, Gabriele Facciotti, Marius Becker Fabio Ferrari/dpa (5),
Fußball Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) begnügte sich zuletzt noch mit einem lapidaren Hinweis auf der Homepage: Die DFL stehe in ständigem Kontakt zum Bundesgesundheitsministerium. Die Lage sei entspannt. Sollte sich daran etwas ändern, entscheiden die Gesundheitsbehörden vor Ort über mögliche Konsequenzen für den Liga-Betrieb.

Also: Keine Panik auf deutschen Fußballplätzen. Ganz anders die Situation zum Beispiel in Italien, in den betroffenen Regionen. Die Regierung hat den Ausschluss des Publikums bei Erstligapartien gebilligt, die Partien sollen jedoch nicht abgesagt werden. Dies sei wichtig, um den Spielplan bis zum Beginn der EM im Juni einzuhalten.

Apropos EM: Das Turnier in zwölf europäischen Ländern beginnt am 12. Juni mit einer Begegnung in Rom. Gibt es vielleicht ein Geisterturnier? Laut österreichischer Medien denkt die Uefa grundsätzlich auch daran, das Turnier abzusagen.

Wie kann man sich gegen Corona wenigstens ein bisschen schützen? Richtig, unter anderem mit einer Atemschutzmaske. Erfahrungen mit dieser besonderen Form der Maskierung haben 3000 Fans von Juventus Turin gemacht. Durch den Schutz waren die Fangesänge bei der Champions-League-Partie in Lyon deutlich leiser. In der Schweiz griffen die Behörden durch: Der Bundesrat verbot bis zum 15. März alle Events mit mehr als 1000 Zuschauern, zum Beispiel alle Fußball-Partien. tgo Tischtennis Aus für die Weltmeisterschaft in Südkorea wegen Corona. Die Veranstaltung war für den 22. bis 29. März in Busan angesetzt. Der internationale Tischtennis-Verband plant nun, die Team-WM zwischen dem 21. und 28. Juni nachzuholen. „Es ist absolut sinnvoll, die WM im März in Südkorea nicht stattfinden zu lassen“, erklärte Richard Prause, der Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), „neben der akuten gesundheitlichen Bedrohung kann man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicherstellen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer problemlos ein- und wieder ausreisen können. Für die deutschen Meisterschaften, die an diesem Wochenende in Chemnitz stattfinden werden, hat die Absage in Busan jedoch keinen Auswirkungen.

Tischtennis ist aber nur eine von vielen olympischen Sportarten, die wegen des Coronavirus umdisponieren müssen. Das wirft die Frage auf, ob die Sommerspiele in 150 Tagen in Tokio dem Virus auch zum Opfer fallen könnten. Richard Pound schätzt, dass es dafür noch ein dreimonatiges Zeitfenster gibt. „Es ist eine große, große, große Entscheidung, und man kann sie erst treffen, wenn man verlässliche Fakten hat, auf die man sich stützen kann“, sagte das dienstälteste IOC-Mitglied. tgo/mha

Formel 1 Der China-Grand-Prix am 19. April in Shanghai wurde bereits abgesagt, Zweifel gibt es um die Austragung der Rennen in Bahrain am 22. März. Der Saisonauftakt in Melbourne am 15. März gilt noch als sicher. Australiens Gesundheitsminister Greg Hunt warnte vor Panikmache und vor zu großen Einschnitten im Alltag. „Gehen Sie ins chinesische Restaurant, gehen Sie zum Football oder Grand Prix oder zum Netzball“, sagte er. Der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel sieht das Thema Coronavirus bisher relativ entspannt. „Man darf nicht jeden Artikel lesen und nicht jede Überschrift glauben“, sagte der Ferrari-Pilot am Rande der Testfahrten in Barcelona: „Außerdem sollte man nicht zu viel Panik verbreiten, denn letztlich ist es doch unmöglich einzuschätzen, was da tatsächlich auf uns zukommt.“

Der Absage des Formel-1-Rennens im Corona-Epizentrum China stimmt Vettel dennoch zu. „Das war sicher der richtige Schritt“, sagte der 32-Jährige: „Zurzeit gibt es ja auch viele Diskussionen um Vietnam, aber wir müssen einfach noch ein paar Tage in Ruhe abwarten, dann wissen wir sicher mehr.“

Der Saisonstart ist am 15. März in Australien geplant, danach stehen die Rennen in Bahrain (22. März) und das Debüt in Vietnam (5. April) auf dem Programm. „Ich gehe davon aus, dass wir auf jeden Fall in Melbourne fahren werden“, meinte Vettel: „Unsere Tickets sind jedenfalls gebucht.“

In Vietnams Hauptstadt Hanoi steht das dritte Rennen auf der Kippe. Ein hochrangiger Funktionär Hanois schloss eine Streichung des für den 5. April geplanten Wettbewerbs nicht mehr aus. Es wäre das erste Formel-1-Rennen in dem Land. dpa Ski alpin Die für das kommende Wochenende im La Thuile angesetzten Weltcuprennen der Damen sollen trotz der vermehrten Ausbreitung des Coronavirus in Norditalien wie geplant stattfinden. Die Italienische Wintersport-Föderation und die lokalen Organisatoren sehen derzeit keinen Anlass, den Super-G (Samstag) und die Kombination (Sonntag) abzusagen.

Vorsorglich sollen jedoch weniger Zuschauer als üblich zu den Rennen zugelassen werden. Zudem seien die anreisenden Teams und Athletinnen „unter ständiger medizinischer Aufsicht, um ihre Gesundheit zu garantieren“, heißt es in der Fis-Mitteilung.

Um die Gefahr einer möglichen Verbreitung des Virus zu minimieren, beschlossen die Veranstalter und der Weltverband Fis bestimmte Interview-Verhaltensregeln. Reporter, Kameraleute und Fotografen müssen bei den Interviews zu den Rennfahrerinnen im Zielbereich einen Mindestabstand von eineinhalb Metern halten. Ferner soll bei Mikrofonen nach jeder Sportlerin die Schutzhülle gewechselt werden. Journalisten, zu denen die Sportlerinnen schon während des Rennens gehen, sind ebenfalls aufgefordert, eineinhalb Meter Abstand zu lassen.

Um zwischenmenschliche Kontakte auf ein Minimum zu beschränken, wurden sämtliche Pressekonferenzen sowie die öffentlichen Siegerzeremonien und Startnummernvergaben gestrichen. Jedem akkreditierten Journalisten oder Ehrengast wurde zudem verboten, den Sportlerinnen in La Thuile im Aostatal die Hand zu geben. dpa

Fechten Nach anfänglichem Zögern fiel die Entscheidung eindeutig: Die „63. Trophée Luxardo“ wird nicht von 6. bis 8. März in Tauberbischofsheim ausgefochten. Nach einer massiven Beschwerde von Reinhard Frank, CDU-Landrat des Main-Tauber-Kreises, kapitulierten der Deutsche Fechterbund und der örtliche Fechtclub. Der Bundesstützpunkt an der Tauber sollte kurzfristig einspringen, weil die norditalienische Stadt Padua, der ursprüngliche Gastgeber, den Säbel-Weltcup der Herren wegen der Virus-Krise abgesagt hatte. Der Weltfechtverband FIE beauftragte die Deutschen mit der Austragung des Turniers.

„Unverantwortlich und inakzeptabel“ hatte Frank die Absicht des Fechterbunds „vor dem Hintergrund der sich aktuell dynamisch entwickelnden Lage“ bezeichnet. Das Gesundheitsamt des Kreises habe nicht nur „dringend abgeraten“ von der Veranstaltung, es stehe auch nicht bereit für ein „Sicherheitskonzept, das es in der gegenwärtigen Lage nicht geben kann“. DFB-Sportdirektor Sven Ressel hatte zuvor von „einer latenten Panik wegen der vielen ausländischen Sportler“ gesprochen.

In Tauberbischofsheim mit 14 300 Einwohnern wären 200 Teilnehmer und Betreuer zu dem olympischen Qualifikationswettbewerb erwartet worden. Laut Fechterbund wird das Turnier nirgendwo in Deutschland ausgetragen. Der FIE müsse selber eine Lösung des Problems finden. Aktuell gebe es jedenfalls „keinen Plan B“. hgf
© Südwest Presse 29.02.2020 07:45
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