Wie weiter ohne Lewandowski?

Der Ausfall des Torjägers stellt Bayern Münchens Trainer Hansi Flick vor ein Problem: Es gibt keinen Ersatz für den Polen. Philippe Coutinho erhält gegen Hoffenheim eine Bewährungschance.
  • Muss mindestens vier Wochen pausieren: Bayern-Goalgetter Robert Lewandowski. Foto: Sven Hoppe/dpa
Bayern-Trainer Hansi Flick war trotz aller Sorgen um seinen Top-Torjäger Robert Lewandowski bestens gelaunt. Was er denn mit dem Stift gemacht habe, den er von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte? „Den hat meine Frau an sich genommen, damit ich keine Dummheiten damit mache“, sagte der Trainer von Bayern München am Freitagmittag während einer Presskonferenz – und lachte.

Ansonsten wollte sich Flick mit den anhaltenden Diskussionen um seine sportliche Zukunft beim Rekordmeister nicht länger aufhalten. „Es gibt Wichtigeres“, stellte er klar. Vor allem die Ausfälle von Top-Torjäger Lewandowski (Anbruch der Kniescheibenkante) und Kingsley Coman (Zerrung im Oberschenkel) nach dem beeindruckenden 3:0 in der Champions League beim FC Chelsea beschäftigen den 55-Jährigen vor dem Bundesliga-Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim am Samstag (15.30 Uhr/Sky) über die Maßen.

Lamentieren wollte Flick, der in der entscheidenden Saisonphase nun doch zum Improvisieren gezwungen ist, aber nicht. Vielmehr vertraut er seinen erfahrenen Stars. Und von denen gibt es ja noch einige in seinem Kader. „Es ist entscheidend, dass wir noch enger zusammenrücken und die Aufgaben gemeinsam erfolgreich gestalten“, sagte er am Freitag. Er habe jedoch „keine Bedenken. Die Mannschaft weiß genau, was nach den Verletzungen von Robert und Kingsley gefordert ist“, befand Flick vor dem Medienvertretern.

Wer den seit Monaten überragenden Lewandowski in der Sturmspitze in den kommenden vier Wochen ersetzen soll, ließ Flick offen. „Es gibt viele Überlegungen. Es ist immer gut, wenn der Gegner rätselt“, sagte der Bayern-Coach lapidar. Am wahrscheinlichsten ist die Variante, dass Serge Gnabry wie schon einige Male in der Nationalmannschaft nach vorne rückt. Der seit Wochen in Galaform spielende Ex-Nationalspieler Thomas Müller wird bei den Bayern im Mittelfeld benötigt. Der 18 Jahre alte Joshua Zirkzee, der Niederländer ist der einzige echte Stürmer im Münchner Kader, gilt als Joker.

Profiteur der erzwungenen Umstellungen – auch der kroatische Außenbahnspieler Ivan Perisic (Knöchelbruch) steht als Offensiv-Alternative nicht zur Verfügung – ist Philippe Coutinho. „Philippe wird auf jeden Fall spielen. Er hat die Chance zu zeigen, welche Qualitäten er hat. Es ist wichtig, dass der Knoten platzt. Jetzt ist ein optimaler Zeitpunkt“, sagte Flick über den technisch so beschlagenen Brasilianer.

Bisher hat sich die Leihgabe des FC Barcelona noch nicht für eine Weiterverpflichtung über den Sommer hinaus empfohlen. Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge rätselte schon: „Er hat manche Spiele gut gespielt, manchmal vermittelt er den Eindruck, dass er gehemmt ist. Ich weiß nicht, woran das liegt.“

Trainer Flick versuchte sich am Freitag an einer Erklärung für die Formschwäche des Neuzugangs. Der Brasilianer setze sich derzeit „etwas zu sehr unter Druck. Es sind nicht immer alle Entscheidungen richtig“, sagte er. Aber: „Ich halte sehr viel von ihm als Fußballer und Mensch.“

Was er davon hält, dass es für Lewandowski, der mit 25 Treffern die Torschützenliste der Bundesliga anführt, im Münchner Kader keine echte Alternative gibt, wollte Flick dagegen lieber nicht sagen: „Darüber muss sich der Verein Gedanken machen, wie er sich aufzustellen hat. Das ist im Moment nicht meine Aufgabe.“

Flick hat derzeit in der Tat andere Sorgen – auch wenn zuletzt alles nach Wunsch verlief, seine Mannschaft starke Leistungen zeigte und viele, viele Punkte holte. Nach zwölf Spielen ohne Niederlage (elf Siege) wisse er, „was für Gefahren bestehen. Es kann schnell gehen, dass das ein oder andere Saisonziel vorbei ist“, betonte der Cheftrainer des deutschen Rekordmeisters, „deshalb müssen wir hochkonzentriert bleiben“.

Konkurrenz wittert Morgenluft

Zumal die Konkurrenz der Münchner wegen Lewandowskis Verletzung offensichtlich schon Morgenluft wittert. „Stärker wird Bayern München jetzt nicht“, sagte Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann vielsagend vor dem Duell seines Klubs am Sonntag gegen Bayer Leverkusen (15.30 Uhr/Sky). „Wenn Lewandowski nicht mitmachen kann“, meinte Hoffenheims Trainer Alfred Schreuder, „ist das schon ein Vorteil für den Gegner“.
© Südwest Presse 29.02.2020 07:45
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