Corona: Schulen rüsten sich

Am Montag enden die Faschingsferien, viele Familien kommen aus dem Italien-Urlaub zurück. Einige sollen zu Hause bleiben.
Noch hat das Schulsystem in Baden-Württemberg keinen Kontakt mit dem Coronavirus gehabt: Viele Lehrer sind selbst noch im Urlaub, die Schulen und Kitas sind leer. Doch am Montag sind die Faschingsferien zu Ende – dann wird es ernst.

Am Freitagnachmittag hat das Kultusministerium per E-Mail an alle Schulen und Träger neue Hinweise zum Umgang mit der Epidemie geschickt. Die Sicherheitsvorkehrungen werden verschärft: Kinder, Lehrer und Erzieher, die in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet waren, sollen vorerst zu Hause bleiben – unabhängig davon, ob sie Symptome zeigen oder nicht. Dabei hat die Verwaltung vor allem die Risikogebiete in Italien (Lombardei sowie die Stadt Vo in der Provinz Padua) im Blick.

Die Hinweise gälten „für alle Personen an Schulen und Kindertageseinrichtungen“, heißt es in dem Schreiben weiter: also Schüler, Kita-Kinder, Lehrer, Erzieher und sonstige Beschäftigte. Wer nicht aus einem Risikogebiet komme und keinen Kontakt zu Infizierten hatte, könne hingegen „uneingeschränkt am Schul- bzw Kita-Betrieb teilnehmen“.

Erst am Donnerstag hatte das Kultusministerium einen ersten Rundbrief mit Verhaltenstipps und Infos an Schulen und Kitas verschickt. Der Umgang mit dem Thema Reise-Rückkehrer war darin aber noch vage gehalten. Am Freitagnachmittag sah sich das Ministerium „aufgrund der dynamischen Lageentwicklung“ zu weiteren Hinweisen veranlasst.Daran, dass die Information zu allen durchdringt, gibt es Zweifel: Nicht an allen Schulen funktionieren in den Ferien die Info-Ketten zwischen Verwaltung, Lehrern und Eltern. Die Mail aus dem Ministerium kam reichlich spät. Wenn Eltern aus Risikogebieten sich nicht an die Vorgaben halten, könnten schnell Schulschließungen anstehen, befürchtet ein hochrangiger Beamter. „Dann geht die Bildung im Land in Quarantäne.“ Manche Schulleiter äußerten sich erbost über die Informationspolitik des Ministeriums.

Unterdessen ist die Zahl der bestätigten Infektionen im Land auf 13 gestiegen. Ein Mann aus dem Kreis Ludwigsburg war zunächst auf das Influenza-Virus negativ getestet worden. Das Landesgesundheitsamt untersucht Proben aber aktuell automatisch auch auf das Corona-Virus. Da war das Ergebnis positiv. „Dies ist der erste Fall, der auf diese Weise ermittelt wurde“, schreibt das Sozialministerium.

Ein Mann aus dem Rhein-Neckar-Kreis war im Skiurlaub in Südtirol und meldete sich am Mittwochabend in der Notfallambulanz in Heidelberg. Auch er wurde positiv getestet. Nur Stunden später zwei weitere Fälle: Ein Mann aus Nürnberg, der sich in Karlsruhe aufhielt, wurde positiv getestet und wird im Städtischen Klinikum betreut. Er hätte als Referent auf einem christlichen Kongress in Karlsruhe sprechen sollen. Die Veranstaltung für 7400 Besucher wurde abgesagt.

Ein 32-jähriger Mann kommt aus dem Landkreis Heilbronn. Er hatte sich bis 21. Februar in Mailand aufgehalten. In Freiburg wurde ein Mann aus dem Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, der sich in der Lombardei aufhielt, positiv getestet. Er befindet sich in häuslicher Isolation. Auch zwei Frauen und ein Mann aus dem Kreis und der Stadt Freiburg sind positiv getestet worden und werden in einer Klinik behandelt.

Dem 32-Jährigen, der seit Mittwochabend in der Isolierstation einer Klinik in Rottweil behandelt wird, geht es dem Gesundheitsamt zufolge „schon etwas besser“. Er, seine Frau und ein Kind waren am 23. Februar aus der Provinz Lodi nach Rottweil zurückgekehrt. „Sie haben sich sozusagen in Eigen-Quarantäne gesteckt“, sagte Landrat Wolf-Rüdiger Michel. Sie seien zurückgereist, ohne mit jemandem Kontakt zu haben. Zurück in Rottweil seien sie im Haus geblieben. „Sie waren nicht auf der Rottweiler Fasnet“, sagte Michel. „Die Familie hat sich mustergültig verhalten“.

Am Tübinger Uniklinikum fielen alle Tests bei den Kontaktpersonen des infizierten Oberarztes negativ aus.
© Südwest Presse 29.02.2020 07:45
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Kommentare

In my humble opinion

Kultusministerium per E-Mail an alle Schulen und Träger: Kinder, Lehrer und Erzieher, die in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet waren, sollen vorerst zu Hause bleiben – unabhängig davon, ob sie Symptome zeigen oder nicht.

"Ja, äh, ähm, .... ich war vergangene Woche in einem Risikogebiet, Lumpenpartei hieß das oder so - ich bleibe also erst mal zu Hause, oder?"

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