Schlechteste Woche seit dem Jahr 2011

Deutscher Leitindex Dax ist um 12 Prozent eingebrochen. Unternehmen schrauben Erwartungen herunter.
Der Kursrutsch aus Sorge vor einer Coronavirus-Pandemie hat zu einem weiteren Kursrutsch geführt. Der Dax sank am Freitag um 3,9 Prozent. Mit einem Dax-Verlust von gut 12 Prozent seit dem vergangenen Freitag erleben die Anleger die schwärzeste Woche seit Beginn der Griechenland-Schuldenkrise im Sommer 2011. Auf Monatssicht ergibt sich beim Dax ein Verlust von mehr als 8 Prozent. Das Rekordhoch aus der Vorwoche von 13 795 Punkten ist in weite Ferne gerückt. Wichtige Fragen und Antworten: 

Warum ist die Stimmung an den Aktienmärkten so schlecht? An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Dabei ist Unsicherheit ein sehr schlechtes Vorzeichen. Die ist gerade durch die Coronavirus-Epidemie so hoch wie lange nicht mehr. Niemand weiß wie lange die Epidemie noch dauert.

Was ist der Grund dafür, dass die Kurse einzelner Unternehmen so stark einbrechen? Unternehmen wie BASF oder Mercedes leben davon, dass ihre Produkte gekauft werden. Wenn eine Epidemie wie jetzt um sich greift und die Menschen krank sind oder wegen Quarantäne-Maßnahmen nicht in Geschäfte gehen können, kaufen sie weniger ein. Die Nachfrage sinkt. Firmen, die die Vorprodukte wie Chemikalien brauchen, kaufen weniger ein, weil auch ihre Angebote weniger gefragt sind. Also setzen die Firmen weniger um. ihr Gewinn sinkt. All das schlägt auf die Aktienkurse durch.

Welche Unternehmen trifft es besonders? Zunächst die konsumnahen Bereiche, aber letztlich Aktien aus allen Sektoren. Airlines leiden besonders. Lufthansa etwa hat alle Flugverbindungen nach China bis Ende März gestoppt. 13 Langstreckenjets bleiben Boden. Damit ist der Ausfall von vermutlich mehreren zehntausend, wenn nicht sogar mehr als 100 000 Tickets verbunden. Die Folge: Der Aktienkurs ist auf Talfahrt.

Wie lange hält der Kurseinbruch auf Raten an? Der wird vorerst anhalten. Aus Sorge, dass sich der Coronavirus zu einer Pandemie ausweitet, schrauben die Unternehmen ihre Erwartungen herunter. Erst wenn der Höhepunkt der Krise sichtbar und überschritten wird, dürfte sich auch die Lage an der Börse entspannen. Dann könnten die Kurse auch wieder sehr schnell Fahrt aufnehmen.

Warum kaufen derzeit so viele Anleger Gold? Gold gilt als sicherer Hafen in unruhigen Börsenzeiten. Der Preis des Edelmetalls ist bereits kräftig gestiegen. Aber Gold bringt keine Zinsen und keine Dividende. Ein Wertgewinn ergibt sich deshalb allein aus einem Preisanstieg. Rolf Obertreis
© Südwest Presse 29.02.2020 07:45
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