Bundesbank mit Rekordgewinn

Überschuss fällt doppelt so hoch aus wie 2018. Präsident Jens Weidmann: Kein Grund, wegen Virus-Krise einzugreifen.
Die Bundesbank hat am Freitag für 2019 mit 5,85 Mrd. EUR den höchsten Bilanzgewinn seit 2008 an das Bundesfinanzministerium überwiesen. Er ist damit mehr als doppelt so hoch ausgefallen wie für 2018 als es 2,43 Mrd. EUR waren. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagte, dass er mit Auswirkungen der Corona-Krise auf die deutsche Wirtschaft rechne: „Das Risiko dürfte sich zum Teil materialisieren.“ Grund seien eine geringere Nachfrage, ausbleibende Touristen oder Lieferschwierigkeiten bei wichtigen Zwischenprodukten. Sollte es in Deutschland zu einer Epidemie kommen erwartet Weidmann auch „direkte wirtschaftlichen Auswirkungen. Insgesamt könne das Wachstum 2020 geringer ausfallen als erwartet.

Weidmann zufolge gibt es derzeit keinen Grund für die Europäische Notenbank (EZB) einzugreifen und die Geldpolitik zu lockern: „Ich sehe nicht, dass ein akutes geldpolitisches Handeln erforderlich ist. Aber natürlich erhöhte Aufmerksamkeit.“ Er wage zu bezweifeln, so Weidmann, dass Menschen in der aktuellen Situation öfters ins Restaurant gehen, wenn die Geldpolitik großzügiger gestaltet werde.

Die Geldpolitik der EZB hält der Bundesbank-Präsident ohnehin für sehr großzügig. Zwar sei die Unterstützung der Wirtschaft durch eine lockere Geldpolitik nötig, damit die Inflationsrate steigt. „Andererseits ist für mich klar, dass das derzeitige niedrige Niveau der Leitzinsen kein Dauerzustand sein kann. Der EZB-Rat darf den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik nicht aus dem Blick verlieren.“ Sie sei schließlich mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Weidmann warnt vor Fehlanreizen, etwa die Subventionierung von Unternehmen mit niedriger Produktivität.

Rückstellungen reduziert

„Hinter dem kräftigen Anstieg des Jahresüberschusses steht insbesondere die niedrigere Risikovorsorge“, begründet der Bundesbank-Präsident den deutlichen Anstieg des Bundesbankgewinns. Weidmann zufolge konnte die Bundesbank im vergangenen Jahr ihre Rückstellungen wegen gesunkener Risiken um 1,5 Mrd. EUR auf 16,4 Mrd. EUR reduzieren. Von 2016 bis 2018 hatte sie die Vorsorge noch deutlich aufgestockt.

Haupttreiber des Gewinns waren aber auch 2019 die Zinsen. Allerdings verringerte sich der Netto-Zinsertrag von 4,92 Mrd. EUR auf 4,64 Mrd. EUR. Ausschlaggebend dafür waren nach Angaben von Weidmann geringere Zinserträge aus den Anleihen, die die Bundesbank im Rahmen des Kaufprogramms der Europäischen Zentralbank in den vergangenen Jahren erworben hat. otr
© Südwest Presse 29.02.2020 07:45
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