Fußball

Entwicklung im Vollsprint

Roberto Massimo kommt beim VfB Stuttgart in neuer Rolle immer besser zurecht – und nun steht eine besondere Begegnung gegen seinen ehemaligen Verein Arminia Bielefeld an.
  • Roberto Massimo trifft am Montag auf seinen Ex-Klub Arminia Bielefeld. Foto: Eibner- Pressefoto Foto: Eibner-Pressefoto
Als Roberto Massimo vor etwa zwei Jahren auf das Klubgelände des VfB Stuttgart kam, um seinen neuen Vertrag zu unterschreiben, da schaute sich der Teenager noch mit großen Augen um. Begleitet wurde der damals 17-Jährige von seiner Familie, und Michael Reschke führte die Gruppe umher. Der ehemalige VfB-Manager skizzierte dem Talent den ungewöhnlichen Ausbildungsplan: Der VfB hatte Massimo für mehr als zwei Millionen Euro von Arminia Bielefeld verpflichtet und die Ablösesumme auch gleich an die finanziell klammen Ostwestfalen überwiesen. Dennoch durften sie den Flügelstürmer behalten, leihweise für zwei Jahre. Die Stuttgarter waren ja noch Erstligist, und Massimo sollte sich in Ruhe entwickeln.

Doch der Plan ist in seinen Details nicht aufgegangen. Obwohl der VfB in dem erfahrenen Fußballlehrer Helmut Schulte einen Leihspieler-Beauftragten engagierte. Schulte kümmerte sich um Roberto Massimo. Die Fortschritte blieben – auch aufgrund von Verletzungen – dennoch aus. Weshalb der Sportdirektor Sven Mislintat vor einem Jahr entschied: Massimo kommt vorher nach Stuttgart. Denn er sah, was auch Reschke zuvor als Kaderplaner gesehen hatte: Tempo und Technik.

Massimo bringt beide Komponenten mit und freut sich nun auf die nächste Begegnung. „Das ist schon ein besonderes Spiel für mich“, sagt der 19-Jährige. Aber nicht nur mit Blick auf die Tabelle. In der Arminia kommt am Montag (20.30 Uhr) der Spitzenreiter ins Stuttgarter Stadion, zu dem Massimo mit 14 Jahren gewechselt war.

Aus Lippstadt fuhr er mit Bus und Bahn die knapp 60 Kilometer zum Training. Dort leben seine liberianische Mutter und sein italienischer Vater noch immer. Massimo selbst hat eine Wohnung in Bad Cannstatt bezogen.

„Anfangs war es nicht immer leicht, erstmals allein in einer fremden Stadt zu leben“, sagt Massimo, der sich jedoch schnell integriert hat und auf dem besten Weg ist, auch auf dem Platz eine feste Größe zu werden. Seit Pellegrino Matarazzo Trainer ist, gehörte Massimo in diesem Jahr in vier von sechs Zweitligaspielen zur Startelf. Einmal wurde er eingewechselt, ein weiteres Mal fehlte er verletzt. Zuletzt bremsten ihn muskuläre Probleme im Oberschenkel.

Es ist jedoch nichts Schlimmes, weshalb Massimo davon ausgeht, gegen die alten Kollegen wieder einsatzfähig zu sein. In neuer Rolle wird er ihnen dann begegnen. „Ich bearbeite die rechte Seite jetzt defensiv und offensiv“, sagt Massimo. Denn Mislintat hat nicht nur das fußballerische Potenzial der Nachwuchskraft erkannt, sondern der Sportdirektor hatte ein leuchtendes Beispiel vor Augen, als er sich mit Massimos Perspektive beschäftigte: Lukacz Piszczek.

Der Pole in Diensten von Borussia Dortmund agierte einst als Stürmer, dann wurde er zum Außenverteidiger umgeschult. Auch Massimo soll diesen Prozess durchlaufen – konsequent. Deshalb wurde er während der Hinrunde im Oberligateam des VfB rechts hinten eingesetzt. Eine gehörige Umstellung, aber: „Das hat mir sehr geholfen“, sagt Massimo. Dazu zeigten ihm Chefcoach Matarazzo und Co-Trainer Rainer Widmayer in Videos und Gesprächen auf, wie er sein Defensivverhalten verbessern kann.

Baustelle Stellungsspiel

Die bislang größte Herausforderung erfolgte Anfang Februar im DFB-Pokal bei Bayer Leverkusen (1:2). Massimo bekam es abwechselnd mit Moussa Diaby und Karim Bellarabi zu tun – dem Hochbegabten und dem Hochgeschwindigkeitsfußballer. „Das war ein großer Anreiz, da ich zuvor noch nie gegen ein Bundesliga-Team gespielt hatte“, sagt Massimo. Er schlug sich gut, weil er ebenso schnelle Beine hat. Doch an seinem Stellungsspiel und seinem Timing muss die Nummer 30 noch arbeiten. Denn manchmal überholt sich Massimo in seinem Eifer noch selbst – und verhaspelt sich in seinen Aktionen. Anfangs überlief Massimo seine Gegner, traf anschließend zu oft die falsche Entscheidung.

Jetzt verfügt er auf der Außenbahn über genügend Raum, um im Vollsprint an den Verteidigern vorbeizuziehen, und die Zahl seiner richtigen Entscheidungen nimmt immer mehr zu. Nur: Einen Treffer hat der Torjäger aus Jugendzeiten für den VfB in der zweiten Liga noch nicht erzielt. „Das will ich nun so bald wie möglich schaffen“, sagt Massimo – die Begegnung mit den Bielefeldern wäre dafür eine willkommene Gelegenheit.
© Südwest Presse 06.03.2020 07:45
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