Was haben Pilze mit Blumenwiesen zu tun?

Schön und nützlich: Die Aussaat von Wildblumen kann dazu beitragen, die Qualität der Böden zu verbessern.
  • So sieht eine Samenmischung für eine Blumenwiese in der Vergrößerung aus. Foto: CFR-Biologicals Rosenberg GmbH

Rosenberg. Wer freut sich nicht an den bunten und vielfältigen Blumenwiesen in Gärten oder an Straßenrändern. Bald werden die naturnahen Gärten wieder blühen, sie sind richtig Mode geworden in den letzten Jahren. Außerdem tun sie den Bienen noch etwas Gutes: Sie bestäuben beim Blütenbesuch viele Obstbäume und andere Blütenpflanzen und bringen dazu noch süßen Honig für ein leckeres Frühstücksbrötchen mit.

Neue Lösungsansätze

Jeder weiß, dass Böden „ausgelaugt“ werden, wenn immer wieder dasselbe darauf angebaut wird. Bauern und Gärtner düngen deswegen mit phosphathaltiger Gülle und mit mineralstoffreichen Kunstdüngern. Dadurch gelangt allerdings auch Nitrat ins Grundwasser und damit ins Trinkwasser. Doch das allein macht den bekannten „Kohl noch nicht fett“. Wie bei allen auf längere Zeit angebauten Pflanzenkulturen erwachsen auch Gegner derselben. Schädlinge und Schadstoffe, die man wiederum mit Giften bekämpfen muss. Irgendwie muss man diesen Kreis durchbrechen und dazu entwickelt die in Rosenberg ansässige Firma CFR Biologicals Rosenberg GmbH neue Lösungsansätze.

Das Bodenleben funktioniert nicht ohne Pilze. Nahezu unsichtbar befinden sich an den Wurzeln von 90 Prozent aller Pflanzen winzig kleine Pilzkulturen. Sie dienen der Verrottung und Humusbildung abgestorbener Pflanzenteile (Trichodermapilze) und der besseren Verwertbarkeit von Phosphaten (Mykorrhizawurzelpilze).

Die Chemiker Dr. Edmund Fischer und Dr. Ralf Recknagel kennen sich vom gemeinsamen Studium in Erlangen. Dr. Fischer hatte über Mykorrizha promoviert, Dr. Recknagel lebt in der Gemeinde Rosenberg und forscht an Lactobazillus-Pilzstämmen.

Gebündeltes Expertenwissen

Auf einem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung trafen sie den Biologen Dr. Ivan Closa. Dieser hatte ebenfalls Mykorrhizapilze für seine Doktorarbeit ausgesucht. Seine Freilandversuche dazu machte er auf Wiederaufforstungsflächen in Nordspanien und später in der Wüste von Arizona (USA). Zusammen mit Mitarbeitern der Goethe-Universität bündelten die drei Naturwissenschaftler ihre Kenntnisse und begannen die Züchtung von Pilz-Reinkulturen in eigenen Bioreaktoren zunächst über ein Büro im Ökohaus Frankfurt und später im Alessa Industriepark in Frankfurt-Fechenheim.

Als Versuchspflanzen für die verschiedenen Pilzkulturen dienten Wildblumen. Die Versuchsergebnisse flossen in ein Probiotics-Patent. Dieses wurde 2019 an einen Hersteller biologischer Reinigungsmittel verkauft. Die Fertigung in Fechenheim gab man auf und verlegte das Warenlager nach Ellwangen. Die Firma CFR fokussierte ihre Tätigkeit und richtete sie neu aus, Berater war und ist Andreas Fornefett von der i.EPC Solution AG in Kelkheim.

Substrate für bessere Böden

Bereits 2017 wurde die CFR GmbH gegründet und beim Handelsregister Ulm eingetragen. Allerdings steht bei der Firmenbeschreibung noch „Pflanzenvermehrer“. Dr. Recknagel: „Wir sind aber kein Pflanzenvermehrer. Wir stellen Trichoderma-Substrate in flüssiger sprühbarer Form und als Granulat für Düngerstreuer her. Diese sind ein wirksamer Schutz gegen bodengebundene Schädlinge und Gifte. Ein Langzeit-Biodünger ist derzeit in der Erprobung sowie ein biologisches Pflanzenstärkungsmittel“.

Grundlage aller dieser Produkte sind Substrate, die in der FiBL (Forschungsinstitut für Biologischen Landbau) gelistet sind. Substrate sind für den Biochemiker Stoffe, in denen durch Enzyme und andere mikrobiologischen Stoffe gesteuerte Reaktionen ablaufen. Die FiBL forscht interdisziplinär und praxisorientiert, gemeinsam mit Landwirten und Fachleuten aus Wissenschaft und Wirtschaft und ist ein gemeinnütziger Verein, der Expertisen für aktuelle Fragen der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft erarbeitet.

Wildblumen für Gartenschauen

Die CFR Rosenberg hat mehrere Fachvertretungen für den weltweiten Vertrieb, belieferte die BUGA und zwei Gartenschauen in Mitteleuropa mit ihren Wildblumensaaten, war auf verschiedenen Fachmessen vertreten und arbeitet eng mit verschiedenen Partnern in Wissenschaft und Forschung zusammen. Geplant ist die Teilnahme an der sächsischen Landesgartenschau im kommenden Jahr in Torgau/Elbe.

Clarissa Engelhardt ist für die kaufmännischen Angelegenheiten bei der CFR zuständig. Über sie kann man die Nektarpflanzen bestellen und sich so zuhause an einer garantiert auf biologischer Basis entstandenen Wildblumenwiese erfreuen. ng

© Schwäbische Post 20.03.2020 19:49
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