Keine Spiele, kaum Termine

Die gegenwärtige Krise verändert den Blick der Redaktion auf den Gegenstand ihrer Berichterstattung.
  • Da war die Welt im Stadion noch in Ordnung: VfB Stuttgart gegen Bielefeld am 9. März. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Wie wichtig ist der Sport in Zeiten von Corona? Was soll man noch berichten, wenn es keine Spiele, Wettkämpfe, so gut wie keine Termine gibt? Diese Fragen bekommen Sportredakteure derzeit häufig gestellt. In der Tat sind die Zeiten auch für den Sportbetrieb außergewöhnlich schwierig – und gleichsam herausfordernd für jene, die von Berufs wegen darüber berichten.

Zur Erinnerung: Gerade einmal zwei Wochen sind vergangen, seit Fußball-Zweitligist VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld gespielt hat – vor 54 000 Zuschauern in der heimischen Arena. Und nun ist nichts mehr wie es war. Binnen weniger Tage sind nahezu alle erdenklichen Wettbewerbe abgesagt worden. Der Profifußball, vor allem die Bundesliga, die in der Berichterstattung in der Regel viel Platz einnimmt? Ruht komplett. Keine Eishockey-Bundesliga mehr, also auch keinen Meister in dieser Saison. Handball- oder Basketball-Liga wissen nicht, wie weiter.

Und dann das: Die Fußball-Europameisterschaft ist ebenso aufs kommende Jahr verschoben worden wie das Highlight schlechthin, die Olympischen Spiele in der japanischen Hauptstadt Tokio. Das alles wirft die seit Wochen laufenden Planungen der Sportredaktion, in der sich die Hälfte der Redakteure aus Sicherheitsgründen im Homeoffice befindet, völlig über den Haufen.

Dass es in der gegenwärtigen Corona-Krise wichtigere Dinge gibt als den Sport, versteht sich von selbst. Dennoch bleibt der Sport ein wichtiger Teil dieser Gesellschaft. Weil Sport verbindet, die Menschen zusammenbringt und Gemeinschaftserlebnisse in einer Größenordnung schafft, die ihresgleichen suchen. Nun geraten Vereine und Verbände – Arbeitgeber für Abertausende – in existenzielle Schwierigkeiten. Der mitunter stark profitorientierte Unterhaltungsbetrieb ruht. Die Auswirkungen sind gewaltig, sportlich, finanziell, gesellschaftspolitisch.

Darüber zu berichten, Hintergründe zu recherchieren, die teils dramatischen Entwicklungen einzuordnen – dies ist nun die vordringlichste Aufgabe der Redaktion, deren Blick auf den Gegenstand ihrer Berichterstattung sich ändert. Geht es sonst um Siege, Niederlage, Meisterschaften und Abstiege, so zählen nun Solidarität, Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt. Carsten Muth
© Südwest Presse 25.03.2020 07:45
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