Querpass

The Bet must go on

  • über geschäftstüchtige Wettanbieter Manuela Harant Foto: Volkmar Könneke
Man möchte meinen, in Zeiten einer immer heftiger auf der Welt um sich greifenden Pandemie gibt es einige Themen, über die es zu unanständig ist, sich damit angesichts ihrer Belanglosigkeit zu befassen. Die Befindlichkeit von Millionären, die wegen der Ausgangsbeschränkungen nicht wissen wohin mit ihrem Geld, wäre so ein Thema. Oder auch die Frisuren von Promis, die wegen der Zwangsschließung der Coiffeure in ein paar Wochen vielleicht nicht mehr so toll aussehen.

Und als die für Juni geplante Europameisterschaft wegen der Corona-Krise abgesagt wurde, wäre wohl auch erst einmal keiner auf die Idee gekommen, dass nur wenige Tage später folgende Meldung im Posteingang der Sportredaktion landet: Nach Verschiebung der Fußball-EM ins Jahr 2021: England weiterhin Top-Favorit – DFB-Team mit Titel-Quote 8,50. Der Absender ist ein geschäftstüchtiger Wettanbieter, der selbst in der größten Krise des Sports vor allem Eines im Sinn hat: Maximalen Profit zu generieren – getreu dem Motto: „The Bet must go on“. Immerhin bietet der Sport gerade kaum etwas, worauf es sich zu wetten lohnt.

Dabei gäbe es in Zeiten von Corona weitaus Sinnvolleres und Vorausschauenderes, als sein Geld schon jetzt für einen Europameister-Tipp zu verpulvern, auch wenn das die aktuell 215 000 spielsüchtigen Deutschen das vermutlich anders sehen. Deshalb gehört die Werbung dafür endlich verboten – wenn nicht jetzt, wann dann?!
© Südwest Presse 25.03.2020 07:45
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