Land am Rand

Die Fahrrad-Verschwörung

„Cui bono?“, soll schon Cicero bei der Verteidigung eines Angeklagten in einem Mordprozess im alten Rom gefragt und so den Verdacht auf den wahren Meuchler gelenkt haben. „Wem nützt es“, fragt sich auch der eine oder andere verschwörungstheoretisch veranlagte Mensch im Netz in Bezug auf das Coronavirus: Ist der gefährliche Erreger ein gezielter Versuch der Chinesen, die europäische Wirtschaft zu schwächen? Oder hat die böse Pharmaindustrie das Virus in die Welt gesetzt, um an lebensrettender Medizin zu verdienen?

Weit gefehlt, liebe Aluhut-Träger. Wer nicht immer nur den gleichgeschalteten Mainstream-Medien hinterherrennt und auch mal Eins und Eins zusammenzählt, der kommt schnell der grünen Fahrrad-Verschwörung auf die Schliche. Nicht nur, dass das Virus die Werkshallen von Porsche, Daimler, Audi und Co. lahmlegt, auch Busse und Bahnen sind in Zeiten frei kursierender Keime geradezu lebensgefährlich. Und wem nützt das alles? Klar, dem Fahrrad.

Viel frische Luft um den Fahrer herum, sportliche Betätigung, die dem Immunsystem gut tut und genügend Abstand zu anderen Menschen. Nie war Radfahren so angesagt wie in Zeiten von Corona. Matthias Lieb, Chef des ökologischen Verkehrsclubs VCD, fordert schon, auf wichtigen Hauptstraßen im Land eine Autospur für Radfahrer zu reservieren. Was fast neun Jahre grüne Landesregierung nicht geschafft haben, macht jetzt das Virus mit einem Fingerzeig. Fragen Sie sich einfach: „Cui bono?“ David Nau
© Südwest Presse 25.03.2020 07:45
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