Produktion am Anschlag

Der Medizinprodukte-Hersteller richtet sich neu aus. Das Geschäft mit Desinfektionsmitteln boomt.
  • Vorstandsvorsitzende Britta Fünfstück. Foto: Pascal Albandopulos Foto: Pascal Albandopulos
Als Hersteller von Medizinprodukten kommt die Paul Hartmann AG (Heidenheim) bei ihrer Bilanzpressekonferenz um das Thema Corona nicht herum. Vor allem, weil eines der Hauptstandbeine neben der Wundversorgung, Produkten für Menschen mit Inkontinenz das Geschäft mit Desinfektionsmittel ist. Der Bedarf sei „explosionsartig gestiegen“, sagte Vorstandsvorsitzende Britta Fünfstück in einer Video-PK. Hartmann habe sofort reagiert und die Produktion auf ein Maximum gesteigert. Es werde nun im Schichtbetrieb rund um die Uhr produziert. Maschinen, die normalerweise Kneipp-Duschgel und ähnliches abfüllen, seien auf Desinfektionsmittel umgestellt worden.

Ob dadurch der Umsatz insgesamt wachse, lasse sich noch nicht absehen, sagte sie. Denn gleichzeitig sinke die Zahl der Operationen in Krankenhäusern, für die Hartmann Zubehör liefert. Die Vorstandschefin betonte: „Wir beteiligen uns nicht an Preiswucher, wir wollen uns nicht bereichern, sondern die Gesellschaft unterstützen.“

Eine großes Thema ist laut Fünfstück die Neuausrichtung des Unternehmens hin zu profitablem Wachstum. Hartmann spürt vor allem im Pflegemarkt und bei den Krankenhäusern den steigenden Preisdruck und regulatorische Anforderungen. Zudem fallen hohe Kosten für die Umsetzung der EU-Medizinprodukterichtlinie an. Die Folge: Das Ergebnis sinkt seit Jahren – auch im Jahr 2019. Zwar steigerte das Unternehmen mit seinen rund 11 100 Mitarbeitern den Umsatz um 3,2 Prozent auf 2,18 Mrd. EUR. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen sank aber von 123 Mio. EUR 2018 auf 104 Mio. EUR. Das Konzernergebnis ging von 83,8 Mio. EUR auf 62,9 Mio. EUR zurück. Dennoch verfüge Hartmann über eine starke und stabile finanzielle Basis. „Darauf sind wir stolz“, sagte Fünfstück mit Blick auf eine Eigenkapitalquote von 57,9 Prozent und die Tatsache, dass das Unternehmen schuldenfrei ist.

Nun soll nach den Worten Fünfstücks ein Transformationsprozess für eine bessere Geschäftsentwicklung sorgen. Vorrangiges Ziel ist es, die Marktführerschaft in den Schlüsselsegmenten Wund- und Inkontinenzmanagement, Desinfektion und Risiko-Prävention – dazu zählen unter anderem der Schutz vor Infektionen und Krankenhauskeimen – auszubauen.

Das soll durch Innovationen für Wachstum, Verbesserungen der Kostenstruktur und neue digitale Geschäftsmodelle erreicht werden. Dafür wurden auch produktivere Maschinen bestellt, die einen hohen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Ein weiterer Schwerpunkt sind Produkte für Endkunden, die in Apotheken zu kaufen sind. Caroline Strang
© Südwest Presse 25.03.2020 07:45
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