Preise purzeln in Rekordzeit

Die Zeit der Wahnsinns-Transfersummen ist vorerst vorbei. Was das für Jadon Sancho, Kai Havertz und ihre Klubs Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen bedeutet.
  • Mit 14 Toren und 16 Vorlagen bester Scorer der Bundesliga: Kai Havertz (Bayer Leverkusen). Foto: Federico Gambarini/dpa
  • Jadon Sancho, Offensiv-Juwel von Borussia Dortmund, wurde vor wenigen Tagen 20 Jahre alt. Foto: David Inderlied/dpa
Die Aussichten sind ungewiss, die Preise auf Talfahrt. Auch die derzeit wohl wertvollsten Bundesliga-Stars Kai Havertz und Jadon Sancho bekommen die Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren. Weil das Virus auch den Transfermarkt infizierte, erscheinen ihre eigentlich für Sommer geplanten lukrativen Wechsel nun ungewiss. Der Werteverfall ihrer erst 20 Jahre alten Top-Talente könnte Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund zu einer Fortsetzung der Zusammenarbeit verleiten. Schließlich verkaufen kluge Anleger ihre besten Aktien nicht bei Kurs-Tiefständen.

Markt enthitzt sich

In der Fachwelt herrscht Konsens darüber, dass sich der Transfermarkt „enthitzen“ wird, wie es Gladbachs Manager Max Eberl formuliert. „100-Millionen-EuroTransfers kann ich mir in der nächsten Zeit nicht vorstellen. Die Beträge werden sich in den kommenden zwei, drei Jahren nicht mehr auf dem bisherigen Niveau bewegen. Es wird wahrscheinlich eine neue Fußballwelt geben“, orakelt FC-Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß.

Die Preise purzeln in Rekordzeit. Keine zwei Wochen ist es her, dass Bayer-Coach Peter Bosz eine satte Einnahme für Havertz in Aussicht stellte. „Er kann im Sommer nicht gehalten werden. Das wird eine Überweisung von 100 Millionen Euro. Was sage ich: von über 100 Millionen Euro.“ Bayer-Geschäftsführer Fernando Carro hatte den Wert für den Nationalspieler gar auf mindestens 126 Millionen Euro taxiert.

Eine solche Summe wäre für den Mittelfeldspieler aber nur zu erlösen gewesen, wenn er im Sommer auf großer EM-Bühne brilliert hätte. Weil auch diese Möglichkeit entfällt, müssten sich die Leverkusener bei einem Verkauf wohl mit deutlich weniger zufrieden geben.

Eine Verschiebung des Transfers auf das nächste Jahr ist deshalb wahrscheinlich. Allerdings würde sich die Verhandlungsposition für die Leverkusener dadurch verschlechtern. Kaum ein Verein würde für einen Profi, dessen Vertrag dann nur noch ein Jahr läuft, so viel investieren.

Beim Liga-Konkurrenten aus Dortmund ist die Ausgangslage ähnlich. Wie Havertz hat auch Sancho einen Vertrag bis Ende Juni 2022. Das Offensiv-Juwel aus England, für den nach Schätzungen entsprechender Internet-Portale ein noch höherer Preis als für Havertz zu erzielen wäre, wird vor allem mit namhaften Clubs aus der Premier League wie Manchester United oder FC Chelsea in Verbindung gebracht.

Medienspekulationen, wohin es den besten Scorer der Liga (14 Tore/16 Assists) ziehen könnte, gibt es mittlerweile deutlich weniger als zu Beginn der Corona-Krise. Das kommt für Michael Zorc wenig überraschend: „Wir wissen weder mit Sicherheit, wann der Spielbetrieb fortgesetzt werden kann, noch wann wir wieder vor Zuschauern in den Stadien spielen werden. Deshalb empfinde ich es als schwierig, verlässliche Prognosen abzugeben – das betrifft auch die nächste Transferperiode“, sagte der BVB-Sportdirektor der „Sport Bild“.

Hart für die zweite Reihe

Der Kölner Sportökonom Christoph Breuer macht den Leverkusenern und Dortmundern Hoffnung. Nach seiner Einschätzung sind vor allem „Spieler der zweiten Reihe“ in Zukunft billiger zu haben. Er vermutet, dass die Preise für die Topspieler nicht so stark einbrechen werden: „Die wenigen Superstars haben weiter einen so großen Wert für die Topclubs, dass die Nachfrage bei den finanzkräftigen Clubs hoch bleiben wird. Das sind ja auch häufig Clubs mit Investoren, die womöglich die finanzielle Krise auch ganz gut ausgleichen können“, sagte Breuer. dpa
© Südwest Presse 28.03.2020 07:45
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