Kommentar Peter DeThier zu Trumps Krisenmanagement

Der überforderte Präsident

  • Peter DeThier. Foto: Privat
Vor wenigen Wochen, als in den USA nur ein paar Dutzend Infektionen mit dem Coronavirus festgestellt worden waren, versprach Präsident Donald Trump, dass die Zahl schnell auf null sinken würde. Als das Gegenteil eintrat, hieß es, das Virus werde „wie ein Wunder“ verschwinden. Auch danach spielte Trump entgegen dem Rat seiner eigenen Experten die Risiken für die Gesundheit der Bevölkerung und die Wirtschaft herunter. Das Ergebnis dieser Schönfärberei: Die USA haben China als jenes Land mit den meisten Erkrankungen überholt, und das mit weniger als einem Viertel der Einwohnerzahl.

Die vergangenen Tage haben gezeigt: In der ersten echten Krise, mit der Präsident Trump während seiner Amtszeit konfrontiert ist, wirkt er komplett überfordert. China hat vorgemacht, wie man das Problem in den Griff bekommen und die Zahl der Corona-Kranken deutlich senken kann – indem man konsequent zur Tat schreitet und alles unternimmt, um die Ausbreitung des Virus zu unterbinden. Die USA leiden jedoch unter einer schlechten Vorbereitung. So fehlt es in New York, der Brutstätte der Pandemie in den Vereinigten Staaten, aber auch in vielen anderen Städten an Beatmungsgeräten und anderer Ausstattung. Dass Trump nun ein für Kriegsfälle vorgesehenes Gesetz anwendet, um den Autohersteller General Motors zur Produktion von Ventilatoren anzuweisen, ist zwar sinnvoll, wäre aber bei besserer Planung nicht nötig gewesen.

Zu spät kommt auch das zwei Billionen Dollar teure Konjunkturpaket. Auch daran trifft den Präsidenten einen großen Teil der Schuld, denn er hätte die Informationen und die Macht gehabt, um früher zu handeln. Dass er die Probleme lange leugnete, rächt sich jetzt.
© Südwest Presse 30.03.2020 07:45
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