Von der Corona-Quarantäne direkt auf den Platz

In virtuellen Duellen messen sich 26 Profiklubs an der Konsole. Waldhof Mannheim will sogar die komplette Drittliga-Runde virtuell fertig spielen.
  • Fußball-Drittligist SV Waldhof Mannheim will die wegen der Coronavirus-Pandemie ausgesetzte Saison virtuell zu Ende spielen. Foto: Uwe Anspach/dpa
Wir spielen die Saison zu Ende. Dann eben online und für Solidarität! Diese Botschaft prangt groß auf der Internetseite des Fußball-Drittligisten SV Waldhof Mannheim. Während die Fußballklubs der 1. und 2. Bundesliga diskutieren, ob, wann und vor welcher Zuschauerkulisse weiter gekickt werden kann, schafft der baden-württembergische Traditionsklub Tatsachen – und trägt derzeit seine elf ausstehenden Drittliga-Begegnungen virtuell mit Publikum im Livestream aus. Das Zuschauer-Ticket kostet auf freiwilliger Basis zwischen 1 und 100 Euro. Ein Teil des Erlöses geht an die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Hakimi trifft für Hakimi

Und auch in den beiden Topligen Deutschlands hat sich das Spielgeschehen vom Rasen auf die Bildschirme verlagert. So traf am Samstagnachmittag der virtuelle Achraf Hakimi zum 2:1 für Borussia Dortmund, während der echte Hakimi Kaugummi kaute und grinste: Bei der „Bundesliga Home Challenge“ der Deutschen Fußball Liga (DFL) zockten am Wochenende Fußballprofis um den Sieg.

Der Marokkaner Hakimi im Dortmund-Trikot verschlief dabei fast den Anpfiff, weil er noch sein Handy in der Hand hielt. Wenig später war Hakimi dafür hellwach, aus sechs Metern schob sein von ihm gesteuertes virtuelles Ich den Ball ins Tor. Zum Sieg reichte das aber nicht, da der für Mainz angetretene Daniel Brosinski noch der 2:2-Ausgleich gelang.

Organisiert werden die virtuellen Duelle unter dem Motto unter dem Motto „Stay Home … and play!“. Insgesamt treten 26 der 36 Profiklubs an, pro Team spielt mindestens ein „echter“ Lizenzspieler und „eine Person aus dem Klub-Umfeld“. Weil zudem Live-Kommentatoren die Begegnungen der Fußball-Simulation „Fifa 20“ analysierten, bekamen die Fans auf der heimischen Couch ein wenig Ablenkung in Corona-Zeiten. Dabei durften auch Klubs wie Borussia Dortmund teilnehmen, die bislang virtuelle Fußball-Begegnungen verschmäht hatten. Die neue Challenge könnte also auch für einen Schub für den eSport sorgen.

Aus der Corona-Isolation direkt zurück auf den Platz hieß es für Maximilian Mittelstädt von Hertha BSC und Jannes Horn von Hannover 96. „In meiner Freizeit spiele ich regelmäßig Fifa, und jetzt kann ich mich offiziell mit anderen Bundesliga-Spielern, eSportlern und Vereinsmitarbeitern messen. Das ist ein tolles Format für diese Zeit“, sagte Profi Mittelstädt.

Prompt gelang seiner Hertha mit 6:3 ein Torfestival gegen Paderborn. Der 23-jährige Mittelstädt analysierte anschließend: „Ich bin schwer in die Partie gekommen. Vielleicht war ich am Anfang noch ein bisschen nervös.“ Es klang fast wie an einem normalen Bundesliga-Samstag.

Kein Streit um Übertragung

Live zu sehen gibt es die Spiele auf dem YouTube-Kanal der Virtual Bundesliga und in dem Streams von „ran“, Sky sowie DAZN – und das ganz ohne vorheriges Gerangel um Übertragungsrechte. Der am Samstag für die klassische Uhrzeit von 15.30 Uhr geplante Start erfolgte allerdings mit 30-minütiger Verspätung. Doch immer noch besser als kurzfristig abgesagte Geisterspiele. (mit sid und dpa)
© Südwest Presse 30.03.2020 07:45
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