Ruf nach Anleitung für künftige Krisen

Gesundheitsminister Manne Lucha fordert als Lehre aus der Corona-Pandemie ein europäisches Medizinmanagement.
  • Befindet sich in Quarantäne: Gesundheitsminister Manne Lucha. Foto: Marijan Murat/dpa
Keine Masken mehr aus China, keine medizinischen Geräte aus den USA: Nach den Erfahrungen im Umgang mit der Corona-Krise fordert Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha ein gemeinsames europäisches Management für länderübergreifende Gesundheitsgefahren. „Wichtig ist zum Beispiel eine eigenständige europäische Arzneimittel- und Medizinprodukterichtlinie“, sagte der Grünen-Minister.

Deutschland und seine Nachbarländer müssten sich in einer Krise gemeinsam versorgen können, um nicht auf Importe angewiesen zu sein, sagte Lucha: „Wir dürfen uns nicht mehr abhängig machen von volatilen Regierungen oder von unanständigen Interessen Dritter, die aus solchen Notlagen Profit schlagen wollen, egal um was es geht.“ Als Beispiele nannte der Minister neben Arzneimitteln und der Produktion von Antibiotika auch die antivirale Medikation und Schutzmaterialien wie Masken.

Eine solidarische europäische Nationalökonomie für Gesundheit und stabile Daseinsvorsorge setze gemeinsame Spielregeln voraus, an die sich auch in einer Krise alle halten müssten, forderte Lucha. Blockaden von Lkws an den Grenzen, Einfuhrverbote und die Beschlagnahme von Produkten aus rein nationalen Interessen müssten verhindert werden.

Einheimische Unternehmen müssten stärker eingebunden werden in eine gemeinsame Produktionsstrategie. Die Angebote würden dadurch teurer als die asiatische Konkurrenz, sagte der Minister. Aber angesichts der Dimension und der Kosten der Abhängigkeit von fernen Märkten, lohne sich der Vergleich auch für die Volkswirtschaft. Die Deutschen müssten akzeptieren, „dass es nicht immer den Billigheimer im Angebot gibt“.

Anders als zuvor Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) weist Lucha den Vorwurf zurück, die Gefahr durch das Coronavirus anfangs unterschätzt zu haben. „Hinterher ist man immer gescheiter“, sagte er. Aber die Landesregierung habe das Virus immer so ernst genommen, wie man es „in seiner dynamischen Entwicklung als freiheitliche Gesellschaft unseres Zuschnitts“ machen konnte.

Selbstverständlich werde Baden-Württemberg aber auch seine Lehren aus dieser Krise ziehen, sagte der Minister. „Die ganze internationale Welt hat nicht damit gerechnet, dass ihre Marktverteilung und globale Orientierung so anfällig ist.“ Notwendig sei „eine Art Bedienungsanleitung für Krisen dieser Art“.

Lucha darf nach dem Ende seiner einwöchigen häuslichen Quarantäne am Dienstag wieder seine Ravensburger Wohnung verlassen, um in Stuttgart das in der Krise federführende Ministerium zu steuern. Es gehe ihm gut, er habe keine Symptome gehabt, sagte der Minister am Wochenende. Er hatte sich vor einer Woche gemeinsam mit seiner Frau in Quarantäne begeben, weil beide Kontakt mit einer infizierten Person hatten. Martin Oversohl, dpa
© Südwest Presse 30.03.2020 07:45
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Kommentare

In my humble opinion

>Nach den Erfahrungen im Umgang mit der Corona-Krise fordert Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha ein gemeinsames europäisches Management für länderübergreifende Gesundheitsgefahren.<

Wir kriegen in Deutschland zum Teil nicht mal ein 'bundesländerübergreifendes' Handeln hin - und daran könnten sich unsere Lokalpolitiker mal abarbeiten.

Sicher ist der Gedanke einer Produktion in Europa richtig, in der Wirtschaft ( bei einem Management mit Verstand ) wird ja auch nicht nur der billigste Anbieter den gesamten Auftrag erhalten, sondern man sorgt auch für Zweit- und Drittlieferanten, um das Ausfallrisiko und die Abhängigkeiten zu minimieren.

Die Frage bleibt aber, warum etwas in Europa besser funktionieren sollte, was nicht mal in Deutschland in allen Fällen klappt, nämlich 'grenzübergreifende' Zusammenarbeit.

Im Übrigen, herr Manne Lucha, werden wir Wähler ( wenn wir es nicht wieder vergessen haben ) Sie bei der nächsten Wahl nach der Erfolgen der von Ihnen geforderten Zusammenarbeit fragen.

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