Keltenstätte

Heuneburg soll zur Attraktion werden

Das Land will das Freilichtmuseum im Kreis Sigmaringen zu einer Kelten-Erlebniswelt machen, unter anderem sollen alte Rassen gezüchtet werden. Gestemmt wird das Mammutprojekt von einem neuen Träger.
  • Die Heuneburg befindet sich auf einem Plateau bei Herbertingen. Sie gilt als älteste historisch erwähnte Stadt nördlich der Alpen. Foto: Patrick Seeger/dpa
Wie niedlich waren keltische Ponys? Wie groß keltische Kühe? Und verströmten auch keltische Schweine strenge Duftnoten? Bisher konnten Besucher der Heuneburg bei Herbertingen (Kreis Sigmaringen) darüber fast nur mutmaßen. Das soll sich ändern. Das Land Baden-Württemberg will das Freilichtmuseum als museale und touristische Erlebniswelt neu erschaffen – unter anderem mit einem keltischen Bauernhof und der Zucht alter Rassen. Als Basis des Großvorhabens geht die Heuneburg zum 1. April in die Trägerschaft der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg über.

Als trutzige Anlage erhebt sich die Heuneburg über grüne Wiesen und Donaukurven. Die frühere Höhensiedlung gilt als eines der bedeutendsten Bodendenkmäler Europas und als eines der wichtigsten Entwicklungszentren keltischer Kultur. Zudem ist die Heuneburg vermutlich die älteste historisch erwähnte Stadt nördlich der Alpen. Mindestens 4000 Bewohner hatte die Anlage im Jahr 600 vor Christus – in Athen etwa lebten laut Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten, zur gleichen Zeit nur rund 1000 mehr.

Fokus auf kleine Fundstätten

Heute stehen auf dem Plateau Nachbauten einer Trockenlehmziegelmauer, früherer Werkstätten und eines Herrenhofs. Von 1999 an wurde das Freilichtmuseum errichtet. Nun soll es Zentrum einer Keltenkonzeption der Landesregierung werden, die das grün-schwarze Kabinett im vergangenen Jahr beschlossen hat. Das Konzept soll keltische Fundstätten im Land prominenter sichtbar machen und vernetzen. Den Plänen nach müssen Besucher der Heuneburg künftig etwas weniger Vorstellungskraft aufbringen und können selbst noch tiefer in die einst pulsierende Metropole der Kelten eintauchen. Neben Bauernhofgerüchen sollen das beispielsweise Führungen mit Tablets ermöglichen.

Die Heuneburg gehört dem Land Baden-Württemberg. Den Betrieb organisierte bisher die Gesellschaft für Archäologie in Württemberg und Hohenzollern – in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege, aber großteils ehrenamtlich und mit personellen und finanziellen Schranken. Die Staatlichen Schlösser und Gärten versprechen nun eine professionelle Marketingmaschinerie.

Nach Schätzung von Michael Hörrmann dürfte die Erlebniswelt frühestens in vier bis fünf Jahren eröffnen. Doch es gibt auch kurzfristigere Pläne. Ziel sei, die Heuneburg noch bekannter zu machen und die Besucherzahl von rund 30 000 pro Jahr deutlich zu erhöhen, sagt Hörrmann. Beispielsweise soll die Anlage stärker in den Radtourismus eingebunden und als Magnet für E-Bike-Fahrer etabliert werden; aus dem Großraum Stuttgart will man mehr Interessierte locken. Das Angebot für Schulklassen soll verbessert und auch die umliegende Natur etwa mit Fledermausführungen bespielt werden. Ebenso soll der Fokus auf umliegende frühere Keltenstätten wie etwa eine Pferderennbahn ausgeweitet werden.

Die bisherigen fünf Angestellten werden übernommen, weitere vier Stellen geschaffen. Die Projektleitung hat der Altertumskundler Moritz Lange. Wann das Team loslegen kann, ist aber noch ungewiss – wegen des Coronavirus bleibt die Heuneburg wie andere Einrichtungen mindestens bis 19. April geschlossen, Veranstaltungen sind bis Mitte Juni abgesagt. Kathrin Löffler , dpa
© Südwest Presse 30.03.2020 07:45
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