Fluggesellschaften stoppen Online-Erstattungen

Airlines fordern Kunden auf, bereits bezahlte Reisen umzubuchen. Ansonsten sei die Existenz der Unternehmen gefährdet. Die Callcenter sind überlastet.
Für die meisten Menschen fällt in diesem Jahr der Osterurlaub aus. Wegen der Corona-Krise sind die Reisemöglichkeiten ohnehin beschränkt. Zudem haben die Airlines die meisten Flüge gestrichen. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Airlines sagen reihenweise Flüge ab. Bekomme ich mein Geld zurück? Wenn Fluggesellschaften wie Easyjet ihren Kunden mitteilen, dass ihr Flug gestrichen wurde, verweisen sie nur auf die Möglichkeit der Umbuchung. Von einer Kostenerstattung ist in den Mails nicht die Rede. Auch die Lufthansa hat die automatisierte Online-Erstattung gestoppt. Dabei sei es das gute Recht jedes Reisenden, sich das Geld für einen ausgefallenen Flug zurückzahlen zu lassen, sagt Julia Rehberg von der Hamburger Verbraucherzentrale dieser Zeitung. Den Grund dafür, dass sich die Airlines mit der Rückerstattung so schwertun, sieht sie in der extremen Situation, in der sich die Unternehmen befinden.

Wie argumentieren die Fluggesellschaften? Sie verweisen auf die schwere Krise. „Den erheblichen Fixkosten stehen fast keine Einnahmen gegenüber. Daher kann jeder Liquiditätsabfluss derzeit existenzbedrohend für unsere Unternehmen sein“, teilt der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft mit. Im Normalbetrieb wären Erstattungen möglich gewesen, aber nicht in der jetzigen Situation.

Und wer doch sein Geld zurückerhalten möchte? Der sollte sich am besten schriftlich an das jeweilige Unternehmen wenden. „Vom Anruf im Callcenter rate ich ab“, sagt Verbraucherschützerin Rehberg. Zum einen seien diese sowieso überlastet, zum anderen hätten Kunden keinerlei Garantie, dass ihr Anliegen weiterverfolgt werde. Eine Mail sei nur zu verwerten, wenn die Kunden ein Bestätigungsschreiben erhalten. „Am besten ist es, man sucht sich aus dem Impressum der Unternehmens-Webseite die Adresse heraus und schickt per Einwurfeinschreiben einen Brief“, empfiehlt sie.

Wenn ich mit Kreditkarte bezahlt habe – kann ich die Abbuchung stoppen lassen? Das dürfte schwierig werden. Rehberg rät, beim Kreditkartenunternehmen nachzufragen, ob das noch möglich ist. Es sei aber ungewiss, ob eine Rückbuchung möglich sei.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz oder Entschädigung? Nein. Bereits am 18. März hat die Europäische Kommission mitgeteilt, dass die Verbreitung des Corona-Virus „außergewöhnliche Umstände“ seien, die die Airlines davon befreien, eine über die reinen Flugkosten hinausgehende Entschädigung zu leisten.

Und was ist mit den Steuern und Gebühren? Die werden laut Verbraucherschützerin Rehberg bei einer Umbuchung mitberücksichtigt, beziehungsweise bei einer Rückerstattung mit zurückgezahlt.

Muss ich irgendwelche Fristen beachten? Bis zu drei Jahre lang haben Kunden die Möglichkeit, sich ihren ausgefallenen Flug kompensieren zu lassen.

Und wenn die Airline pleitegeht? „Insolvenzen von Unternehmen sind nie ausgeschlossen“, sagt Rehberg. Stellt eine Airline den Betrieb ein, sind Umbuchungen und Gutscheine nichts mehr wert. Aber auch wer jetzt sein Geld zurück haben will, kann nicht sicher sei, dass er es bekommt. Viele Unternehmen spielen auf Zeit – möglicherweise so lange, bis nichts mehr zu holen ist.

Was ist mit Flügen nach dem 30. April? Für Flüge, die noch nicht abgesagt sind, gelten die normalen Bedingungen zur Stornierung beziehungsweise Umbuchung.

An wen können sich Kunden wenden, wenn sie sich von der Fluggesellschaft unfair behandelt fühlen? An die Schlichtungsstelle für Fluggastrechte in Europa unter www.soep-online.de.

Ist die Bahn kundenfreundlicher als die Airlines? Auch die Bahn hat Verbindungen gestrichen. Vor allem aber geht man dort davon aus, dass viele Menschen bereits gebuchte Fahrten gar nicht antreten wollen. Deshalb bietet die Bahn Vergünstigungen für Kunden an, die „bis zum 13. März eine Fahrtkarte für den Fernverkehr für Reisetage bis 30. April gebucht hat“, wie es heißt. Ausgenommen sind Gruppenfahrten. Reisen können entweder bis zum 30. Juni nachgeholt werden oder es gibt einen Gutschein, der auch nach dem 30. Juni noch gültig ist. Bisher seien noch keine Beschwerden von Bahnkunden eingegangen, die sich über diese Regelungen beschwert hätten, sagt Verbraucherschützerin Rehberg.
© Südwest Presse 30.03.2020 07:45
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