Lesermeinung

Zu Kirche und Corona:

Ich habe in diesen Tagen im privaten Gespräch die Frage gestellt: Warum hört man so wenig von der kirchlichen Führung über die Corona-Pandemie? Organisatorische Anweisungen werden wohl gegeben. Antworten auf Fragen, die die Menschen bewegen, habe ich bislang nicht vernommen. Wie soll man das Schweigen deuten? Was könnten die Verantwortlichen der Kirche auch sagen?

Vielleicht dies: Alle müssen auf die je eigene Weise zu einer Lösung beitragen. Was Ärzte, Pflegepersonal und Forscher als Erstberufene in diesen Tagen leisten, ist großartig. Diese Pandemie ist eine Naturkatastrophe. Die Schöpfung ist einerseits sehr schön. Anderseits sagt Paulus von ihr im Römerbrief (Kap. 8), dass sie „seufzt“ und in „Geburtswehen“ liegt und dass sie hoffen darf, an der Herrlichkeit Gottes teilzuhaben.

Wenn wir die Schöpfung betrachten, entdecken wir ein „sowohl als auch“. Gelegentlich kann man hören: Was über uns gekommen ist, sei eine „Strafe Gottes“. Solche Erklärungsversuche sind nicht plausibel und mit dem christlichen Gottesbild schwerlich vereinbar. Wenn man aber doch den Begriff der „Strafe Gottes“ gebraucht, dann gilt es zu bedenken, dass Strafe im kirchlichen und religiösen Bereich als sogenannte „Medizinalstrafe“ zu verstehen ist. Heißt: Das Erlittene soll heilsam sein und zur Einsicht, Umkehr und zum Heil führen. Die gegenwärtige Naturkatastrophe könnte Anlass sein, das praktizierte Lebenskonzept zu überprüfen.

© Schwäbische Post 30.03.2020 17:43
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Thomas Tröstler

Herr Knoblauch fragt zu Recht, wie wir die Corona Krise verstehen sollen. Jesus Christus selbst spricht über häufig auftretende Seuchen und belastende Umstände für unsere heutige Zeit. Er beschrieb das nicht als Strafe Gottes. Er beschrieb es als ein Zeichen für grundlegende Veränderungen. Das Wort Gottes lässt uns nicht im Unklaren über die Zukunft. Offenbarung 21:3,4 macht deutlich, dass sich Gott um die Zustände auf unserer Erde kümmern wird, er wird sich uns zuwenden und Trauer, Schmerz und Geschrei ein Ende machen. Wir müssen zu diesen belastenden Zeiten nicht schweigen, wir können miteinander über die Zukunft ohne Pandemien und Belastungen sprechen. Alle können einander trösten, denn Jesaja 33:24 beschreibt unsere Zukunft: Keiner wird mehr sagen: Ich bin krank. Wir werden eine gute Beziehung zu Gott haben. Darüber sollten wir miteinander reden.

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