Schon 17 Corona-Tote in Pflegeheim

Auch in einer zweiten Alten-Einrichtung Niedersachsens grassiert das Virus. Im Wolfsburger Fall laufen Ermittlungen.
Nach dem Tod von 17 Menschen mit Coronavirus-Infektion in einem Alten- und Pflegeheim in Wolfsburg kämpft ein weiteres niedersächsisches Pflegeheim mit Infektionen. Tests hätten bestätigt, dass 23 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 17 Mitarbeiter eines Altenheims in Wildeshausen im Landkreis Oldenburg mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert seien, teilte der Landkreis mit. Das Gesundheitsamt habe alle 51 Bewohner und 44 Mitarbeiter getestet, nachdem ein 89-Jähriger mit schweren Vorerkrankungen und Coronavirus-Infektion gestorben sei. Bei allen Erkrankten in der Seniorenresidenz seien bislang milde Verläufe festgestellt worden.

Das Ausmaß der Erkrankungen deute darauf hin, dass das Virus nicht erst vor kurzem in das Heim eingeschleppt worden sei, teilte der Landkreis mit. Die infizierten Bewohner bleiben den Angaben zufolge für zwei Wochen in ihren Zimmern und werden von ebenfalls positiv getesteten Mitarbeitern versorgt – strikt getrennt von negativ getesteten Bewohnern, die in Einzelzimmern untergebracht seien und von negativ getesteten Mitarbeitern versorgt würden. Das Gesundheitsamt versuche, die Kontaktpersonen der Infizierten zu ermitteln.

Ein Fall für die Jusiz

Auch im Wolfsburger Heim, in dem 165 – überwiegend demenzkranke – Menschen leben, sollten die bislang 79 Infizierten strikt von negativ getesteten Bewohnern getrennt werden. Die 17 Coronavirus-Todesfälle werden hier möglicherweise ein Fall für die Justiz. Ein Wolfsburger Anwalt habe Anzeige wegen fahrlässiger Tötung gestellt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Montag. Sie bestätigte den Eingang der Anzeige, diese gehe nun an den zuständigen Staatsanwalt und werde geprüft. Nach einem Bericht der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ richtet sich die Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der Diakonie Wolfsburg wegen fahrlässiger Tötung. Die Diakonie war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Der Rechtsanwalt berief sich auf Hinweise von Diakonie-Beschäftigten über Missstände in Pflegeheimen. Er erhob schwere Vorwürfe gegen die Diakonie, dort herrschten „katastrophale hygienische Zustände“. Das Pflegepersonal verfüge zudem über keine Schutzmasken. Zudem sei der Besucherstopp in den Heimen zu spät gekommen. dpa
© Südwest Presse 31.03.2020 07:45
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